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Halbherre Hüüs
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- Kategorie: Gebautes, In Planung
Das ‚Halbherre Hüüs’, im Verkauf ‚Haus Fuchs’ genannt, war für uns eine Chance, die Arbeit von vor fast 10 Jahren zu überdenken. Die landläufg, überdimensional skalierten ‚Scheunen’ und ‚Ställe’, überhaupt die Problematik des Massstabes, die wir seit Jahren und aus vielerlei Orten des Tourismus kennen, war Anlass einen neuen Zugang zu wagen. Trotz der 'monokulturellen' Ausrichtung des Resorts, trotz kritischer, berechtigter Bemerkungen aus dem Kolleg:innenkreis am neuen Dorfteil Andermatts. Wir wollten wie schon beim Quartierplan am Dorf weiterbauen und nicht am Resort.
Obwohl wir mehr schlechte als gute Beispiele kennen, obwohl wir teilweise nicht einmal genau wissen wer uns als Bauherrschaft gegenüber sitzt, glaubten wir dennoch daran hier ein gutes, langlebiges Haus machen zu können. Ein Andermatter Haus.

Das damalige Volumen hielten wir bei, die Struktur des Massivbaus inklusive der alternierenden Höhensprünge nach Ost und West ebenso. Nun aber schlugen wir ein bei weitem stattlicheres, massigeres Haus vor. Wir gestalteten eine Mischung aus zurückhaltender, hospizhafter Grossbaute und einem repäsentativerem Patrizierhaus. Dieser Gedanke der Mischung aus Ursprünglichkeit und weltgewandter Kulturhaftigkeit, eben das 'Halber Herr Haus' zog sich durch sämtliche gestalterische Entscheide, vom Ausdruck und der Machart der Fassade bis hin zu Kleinbauteilen wie der fladrigen Lärche mit feingliedrigem Umleimer der Möbeleinbauten.
Die Ordnung der Fassade wurde nun weitaus serieller und weniger kompositorisch gestaltet. Die Fassade wirkt nun ruhiger, weniger sprunghaft. Gleiche Fenstertypen mit tiefen Brüstungen sind eng aneinander gereiht und enden geschossweise alternierend in jeweils zwei übergrossen Fenstern mit angehängtem oberen und seitlichem Fensterfeld. Die unterschiedlichen Fensterdimensionen wiederspiegeln die inneren Raumabmessungen und Nutzungen. Die Asymmetrie der Fensteröffnung ist dabei weniger gestalterischen Wünschen geschuldet, als konstruktiven Anforderungen.

Die Läden sind Reflektoren für das wenige Sonnenlicht im Winter. Sie sind daher seitlich an einer Kunststeinfasche angeschlagen. Die Lasten können durch das gut dämmende und damit poröse Mauerwerk nur schlecht aufgenommen werden. Grundlage der Materialisierungsidee war es stets nur Dinge zu verwenden die plausibel sind bzw. Materialien, die die Schweizer Architektur im alpinen Raum seit Jahrzehnten kultivierte. Mauerwerk und Beton in differenzierten Oberflächenqualitäten. Verputzt oder geschlämmt, sandgestrahlt oder in Sichtqualität treten die Nuancen in Erscheinung. Es sollte vermieden werden Natursteine aus fragwürdigen Quellen oder Beläge mit beliebiger Optik zu verwenden.
Wir verwenden althergebrachte Techniken wie den Kalkputz, die Kalkschlämme und mineralische Farben, teils als grafische Akzente. Die Materialien wirken direkt, ursprünglich und natürlich. Neben sommerlichem und winterlichem Wärmeschutz wird der Feuchtehaushalt durch das Mauerwerk angenehm reguliert. Das Haus wirkt warm. Die Oberflächen offenbaren ihre haptischen und atmosphärischen Nuancen erst auf den zweiten Blick. Diese Arbeit mit der feinen Klinge erachten wir als Qualität unseres Vorschlages, aber auch generell aus Qualität schweizerischer Architekturproduktion. Sie erinnert uns an textile Damastarbeiten.

Das Handwerk, der Handstrich, soll spürbar sein, Ortbeton ist der Präfabrikation vorzuziehen. Homogene Oberflächen werden hier nicht beabsichtigt. Der Duktus der Kelle im Deckputz soll leicht spürbar sein, ohne dabei rustikal zu wirken Die Farben werden besser gestrichen als gerollt. Die Metallbauteile werden eher verzinkt und gestrichen als einbrennlackiert. Dies nicht, weil wir glatte Oberflächen generell weniger schön fänden, sondern weil wir hier oben, an die Kraft der Solidität, der Alterungsfähigkeit und Patina glauben, die sich durch den hohen Gebrauch mi der Zeit einstellen wird. Wir wollen ein Haus bauen, das lange schön bleibt, durch Nutzungsspuren gewinnt, statt leidet. Sekundäre Materialien des Ausbaus, wie die Wandbeläge in den Bädern, bei uns Zellige, die Küche in der Stube, ein hölzernes Buffet mit fladdriger Lärche, die Lampe in der Ecke von Isamo Noguchi, der leuchtende Globus als Leuchte, der farbenfrohe Teppich aus Marroko sind wie Fundstücke, die das massive Haus anreichern, vielleicht eine Geschichte erzählen können. Sie kontrastieren gut mit der Sprödheit und Direktheit der primären Konstruktion.
Wir stellten es uns schön vor, auf einem Fundstück, einem gepolsterten Holzsessel vor der sandgestrahlten und geschlämmten Betonwand ins Kaminfeuer zu schauen. Wir glaubten an die Kraft der Materialien und daran einen Spagat zu schaffen, der sowohl plausible Antwort auf das Bauen in unwirtlichem, alpinen Gelände gäbe, als auch darauf welche besondere Atmosphäre und Stimmung die Vorstellungen und Wünsche von Ferien in Andermatt entsprechen könnte. Das Haus ist nun fertig. Und trotz Generalunternhemung im Grossen und Ganzen von Aussen so wie wir es uns dachten. Dass Tourismus in dieser Art und diesen Ausmasses die Ursprünglichkeit der Kultur und Landschaft konterkaritert, ja sich selbst kanibalisiert, dass lässt sich schlussendlich nicht wegwischen. Insofern bleibt dieses Projekt auch für uns zwiespältig.

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Offener Wettbewerb 2008. 1. Platz., Projektleitung Fabian Bisig, Der Bau wurde von einer Generalunternehmung ausgeführt. Die umgesetzte Innenarchitektur stammt erkennbar nicht von uns.
Kolinplatz
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- Kategorie: Gebautes, Realisiert
« Standbein, Spielbein »
Ausgleich der Gewichtsverhältnisse in der Bildhauerei. Hebung und Senkung mittels Ecklukarne und kontrapunktisch gesetztem Eingang.
Im November 1999 brannte ein Wohngebäude in der Zuger Altstadt nieder. Der kürzlich erstellte Ersatzneubau mit zwei Maisonettwohnungen dient nun elf jungen Menschen als Wohnhaus. Das Erdgeschoss samt neugestaltetem Innenhof wird für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Entstanden ist ein vernakuläres Haus, vielleicht 'Architektur ohne einen Architekten'.
Gefragt nach den grössten Schwierigkeiten, denen ich mich beim Entwurf ausgesetzt sah, würde ich antworten: Das grösste Hemmnis war eigentlich ich selbst. Es war vor allem schwierig als Autor zurückzutreten, die Gestalt zu Gunsten des Ensembles ruhig und locker zugleich erscheinen zu lassen. Zudem sollte das Haus erst auf den zweiten Blick als zeitgenössischer Baustein zu erkennen sein. Traufständig, geduckt und doch eloquent sollte es an der Ecke stehen, keinesfalls giebelständig, markant als Abschluss eines Blockrandfragmentes. In meinen Augen war hier schlicht kein kontrastierender Wurf gefragt, sondern die Integration eines schlichten Bürgerhauses, dessen räumliche, freudvolle Plastizität zwar in Schnitt und Grundriss wirken darf, ohne sich aber gegenüber den anderen Bestandsbauten in den Vordergrund zu drängen. Die Ikonografie des Stadtkörpers höher zu gewichten als die Ikonografie des Hauses. Das war meine Antwort, die ich städtebaulich, funktional und atmosphärisch in leise Übereinstimmung bringen wollte. Es entstand ein kleines, mitunter verschrobenes, recht baumeisterliches Haus.

Ein Auszug aus dem Jurybericht freute uns: «Alles in allem wird in einem volumetrisch kleinen Haus ein räumlich komplexes und grosszügiges Inneres möglich. Das Projekt zeigt einen hohen Grad an Bewusstheit und Raffinement in der Handhabung von architektonischen Mitteln. Es manifestiert eine gekonnte Wahrnehmung für den kleinen Ort in der Altstadt – sei dies ein Aussensitzplatz am Fenster, eine Kiosköffnung für den Verkauf über die Gasse oder die ‚Topografie’ verschiedener Ebenen im Innern des Hauses.»
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In November 1999 a residential house burned down in the old town of Zug. The new building consists of two maisonette apartements that provides two shared flats for eleven young people and a café on the ground floor. The newly designed courtyard is opened to the public.
Asked about the greatest difficulties that I faced during the design process I would answer: The biggest obstacle was actually myself. It was especially difficult to step back, letting the shape of the ensemble appear decent and casual at the same time. Only at a second glance the house should be spotted as a contemporary building. It does appear eloquent but also crouching with the eaves facing the street. It does not stand gabled, striking in the corner of the block fragment. In my point of view no contrast was needed, but the integration of a small, almost unremarkable building, whose spatial, joyful plasticity may unfold in section and floor plan, but without putting itself forward in comparison to the other houses. Building a modest house being coherent within the overall appearance, the spatial density and the gentle atmospheric impression was my intention. The result is a small, somehow peculiar house.
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Fotografien: Rasmus Norlander, Zürich Stockholm, www.rasmusnorlander.se
Bauleitung: Daniel Widmer von Widmer Partner AG aus Zug
Bauherrschaft: Stadt Zug
Auszeichnung: bestarchitects19, Kategorie Mehrfamiienhaus
Projektleitung: Martina Maurer, Bauprojekt: Andreas Fankhauser, Aysu Gümüstekin, Tragwerksplanung: Moos Bauingenieure Zug, Elektro: Hefti Hess Martignoni aus Baar, HLKS: Abicht AG aus Baar, Bauphysik Raumanzug aus Zürich; Mitarbeit Wettbewerb: Sèbastien Werlen, Haustechnikkonzept: Roland Wüthrich, Beratung Gastrokonzept: miteinander GmbH
Kennwerte: Mit Nachhaltigkeit meinen wir nicht nur Kennwerte wie den niedrigen Heizenenergiebedarf von 26 kWh/m2a, sondern auch den sehr geringen Wohnflächenbedarf. 11 Bewohner beanspruchen nur 325 m2 Wohnfläche, also pro Person weniger als 30 m2. Zum Vergleich: In Zürich werden im Mittel ca. 40 m2 beansprucht.
Emmebrücke
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- Kategorie: Gedachtes, Nicht Rangiert
Fragestellung Brücken sind selten nur als Verkehrswege zu verstehen, sondern immer Bestandteil eines grossräumig zu betrachtenden Landschafts- und Siedlungsbildes. Für die Häuserbrücken des Emmentales, die im Kontext von ruralen Bauten, Wohnhäusern und Stallungen gelesen werden gilt dies im Besonderen. Die Aufgabenstellung des Wettbewerbs wurde daher nicht als eine reine, technische Lösung verstanden, sondern war grundsätzlich zu beantworten: Inwiefern kann die traditionelle, zum grossen Teil intakte Baukultur des emmentaler Holzhandwerkes um ein adäquates, zeitgnössisches Bauwerk ergänzt werden. Wir schlugen eine Brücke vor, die aktuell und technisch ausgereift ist, sich preisgünstig im Unterhalt zeigt und daneben in konstruktiver, räumlicher Hinsicht die Zimmermannstradition in die heutige Zeit überführt.

Annahme, Konzeption Die bewährte Kategorie von 'Hausbrücken' ist seit jeher auf konstruktive Dauerhaftigkeit und geringen Unterhalt ausgerichtet. Zudem bietet sie Schutz bei widrigem Wetter und die Chance durch den perforierten Brückenkörper den umgebenden Flussraum umso eindrücklicher erfahrbar zu machen. Unsere bereits auf den ersten Blick verständliche Struktur eines mehrheitlich aus Platten zusammengesetzten Vierendellträgers übersetzt althergebrachte Konstruktionen – an denen meist eine Holzschalung die dahinterliegenden Stabsysteme verhüllt – in eine klare und zeitgenössische Form. Zwei Vierendeelträgern aus Leimholz und GFP-Platten sowie ein flach geneigter Walm darüber bilden das Volumen. Es markiert den Flussübergang von weithin sichtbar und stellt ein Novum im Holzbrückenbau dar.

Tektonik, Ausdruck Konstruktion und Ausdruck sind kohärent. Im Gegensatz zum klassischen Fachwerk entsteht mit dem Virendeelträger ein räumliches Schottenmuster mit einem rythmischen Wechsel zwischen offenen und geschlossenen Feldern, das Fenster mit vielfältigen Perspektven auf die ,Emme‘ und das umliegende Grün bildet. Die lastabtragende Holzelemente bestehen aus Brettschichtholz und großformatigen, kreuzweise verleimten Platten (GFP). Die Struktur bestimmt Wirkung, Raumerlebnis und Lichtführung. Die Platten werden sägeroh verbaut und mit versenkten Wandleuchten ausgestattet. Eine fast wohnliche Atmosphäre entsteht.
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Wir arbeiteten zusammen mit Besmer Brunner GmbH, Dominik Herzog Architeken AG sowie dem Holzbauer Silvio Rüfenacht. Die Fotos stammen von Rasmus Norlander.
Tageshort
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- Kategorie: Gebautes, Realisiert
Ein Hortgebäude aus den 60er Jahren wurde instandgesetzt, umgebaut und den heutigen Bedürfnissen angepasst. Im Planerwahlverfahren hatten wir den 1. Rang erreicht und die technischen, konstruktiven als auch räumlichen Eingriffe dargelegt. Wir konzentrierten uns dabei auf vier grundlegende Ziele. Im Zentrum unseres Vorschlages standen die Zentralisierung der Küche, die Öffnung des Korridorbereiches, die grosszügigere Verbindung der Betreuungsräume sowie die sensible Integration der haustechnischen Anlagen.
Der Bestand stellte sich uns damals folgendermassen dar: Bild 1, 2, 3, 4, 5

Ergänzt wurden neben den Einbauten für die Garderoben und die Regenerierküche, die Einbaumöbel und Zahnputzstellen in den Horträumen. Zudem wurde die Südfassade mit zwei Türen versehen, um nun besser in den Garten zu gelangen.
In die Decken der Garderoben schnitten wir zwei grosse Oblichter – ein tragwerkstechnischer Kraftakt. Mittels Stahlbändern unterfangen, tragen sie nicht nur zu Zonierung und Belichtung des Raumes bei, sondern schaffen auch einen visuellen Bezug zum dazugehörigen Schulhaus nebenan, dem mächtigen Schulhaus Sihlfeld.
In den ehemals dunklen Eingangsräumen erprobten wir ein neues Garderobenkonzept. Wir wollten keine Bänke und Haken an den Wänden montieren, sondern einen Raum mit Aufenthaltsqualitäten schaffen. Die Garderobe besteht aus zwei Sitzgelegenheiten, einem Schwedenkasten ähnlich und Garderobenkästen, die für bis zu 3 Schülerinnern und Schüler Platz bieten. In den Rückwänden der Kästen wurde aus 7 unterschiedlichen Farben jeweils eine eindeutige Farbkombination zusammengestellt. So erhält jeder Kasten seine eigene Heraldik. Weitere Bezeichnungen der Kästen mittels Farben und Nummern sind somit hinfällig.
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Team, Simon Staudacher Wettbewerb, Kurt Ziswiler hatte die Projekt- und Bauleitung inne. Die Fotografien stammen von Rasmus Norlander.
Das Energiekonzept und die Bauphysik wurden Roland Wüthrich begleitet. www.hat-1.ch
Die Gastroplanung erfolgte durch die Planbar AG. www.planbar.ch
Krematorium Basel
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- Kategorie: Gedachtes, Nicht Rangiert
Ausgangslage waren schon früh sich aufdrängende Intuitionen. Zum einen sollte ein Bezug zum roten, für Basel typischen Sandstein, (Maintäler Sandstein) hergestellt werden. Dieser wurde bekanntermassen an mehreren Basler Kulturbauten und an den Putzflächen der Nachbarbauten eingesetzt. Zum Anderen sollten die Kremationsöfen als Türme einzeln gestellt werden. Die Särge sollten keinesfalls seriell in der Achse gereiht und dann in niedrigen Türchen hinter einer Wand verschwinden. Den Öfen sollte, da nun auch Trauernde anwesend sein würden, eine darüber hinausweisende Bedeutung zuerkannt werden. Darüberhinaus entwickelten wir die Disposition der Räume entgegen dem Wettbewerbsprogramm so, dass das Technikgeschoss natürlich belichtet werden kann. Die Arbeiten im Untergeschoss wurden von Mitarbeitern bisweilen als recht bedrückend beschrieben.
Städtebau
Das Krematorium wird durch die Ausrichtung des oberen Quaders auf den Hirtenweg, sowie durch die südliche Begrenzung des Fusswegs verortet. Das Haus erscheint im Sockel als Friedhofsmauer. Erst aus der Entfernung, versteckt hinter den Bäumen, gibt sich ein abstrakter Kubus zu erkennen. Von der Lindenallee zurückversetzt, klärt es die unterschiedliche Gewichtung und Abfolge der 3 Häuser. Das Kapellen- und Aufbahrungsgebäude, Bauten des Erstbestandes, bleiben in Ihrer Wirkung erhalten. Das Krematorium, eigentlich ein Nebengebäude nimmt sich zurück und orientiert sich zum Ehrenhof hin, dem Anlieferungshof. Unser Neubau stört die Präsenz und Klarheit des Bestandes nicht, ja er wird mehr als Artefakt denn als Gebäude wahrgenommen.
Ofenraum
Das Krematorium bzw. der Saal liegt quer zur Allee. Es meidet die Axialität zum Kapellengebäude. Eingang und Ausblick verlaufen Ost-Westrichtung über die Giebelseiten. Die Ofentüren liegen für den Besucher linkerhand, um nicht, so wie in der Machbarkeitsstudie vorgeschlagen, sofort einsehbar zu sein. Die Halle selbst wirkt wie ein Blätterdach. Die Verwandtschaft mit dem davorliegenden Boskett ist augenscheinlich. Der rot gefärbte, gestockte Monobeton wirkt wie Sandstein, darüber legt sich ein perforiertes, textiles Betongewebe aus hochfestem UHPC, dessen Struktur den Kolumbarien der Nekropolis auf Montjuïc entlehnt ist. Betritt man den Raum, wird das vorher kaum erkennbare, fast fahle und barocke Licht zwischen den Türmen nun wirksam. Es gleitet die Treppe hinab und lenkt den Blick der Angehörigen unweigerlich in die umliegenden Baumkronen und den Himmel. Die einzige sinnvolle Antwort auf den Tod. Die Nordseite bleibt geschlossen. Der Ofenraum wird so ganztags unterschiedlich, atmosphärisch ausgeleuchtet und schafft einen unaufdringlichen, pietätfollen Rahmen, ohne den technischen Hintergrund eines Infrastrukturgebäudes verleugnen zu müssen.

Artefakt. Urtyp
Die restlichen Räume, nun um den Ofenraum gruppiert, benötigen weniger Höhe als die Halle. Ca. drei Meter statt der geforderten acht sind ausreichend. Dies erlaubt einen gestuften Baukörper der weniger ein Haus, denn ein Artefakt, ja vielleicht Denkmal ist.
Die Nutzung durch Angehörige fordert uns dazu auf, ein sonst technisch zu konzipierendes Haus mit einem ‚Mehr an Bedeutung’ zu versehen. Dazu wird der Sockel wie ein Podium abstrakt ausformuliert. Verwachsen mit dem Boden erscheint es kaum höher als sonstige Friedhofsbegrenzungen. Die Wände des Ehrenhofes sowie das Krematorium sind von Efeu berankt, vermoost und verwittert. Darüber tront ein textile wirkender Quader. Ein verkrusteter Zikkurat, hinter dem Bosket liegend.
Die Raum- und Lichtwirkung baut auf gegenseitig bedingende Kontraste: Licht und Schatten, massiv und diaphan, Erde und Himmel, Natur und Gebautes, innen und aussen, Tod und Leben. Der Ausdruck belibt weniger bei Kirchen oder Tempelbauten, wie sonst bei den Krematorien des 19 Jhds. Er ist eher Lichtskulptur im Sinne Fritz Schuhmachers:
„So gilt es denn, für die Wirkung des Sakralen einen Ausdruck zu finden, der seine Kraft nicht aus dem Material historischer Formen zieht, sondern aus dem Urmaterial, mit dem Baukunst wirkt und schafft. Wenn man sagt, dass dieses Urmaterial in bestimmten feierlichen Verhältnissen der Massen, in der Lenkung des Lichtes und der Verteilung der Schatten, im sinnvollen Gebrauch der Farben und ihrer Verknüpfung mit edlen Baustoffen besteht, deutet man wohl einige Richtungen an, in denen die Fantasie sich zu bewegen vermag.“
Umbegungsgestaltung
Wie beschrieben wird der Friedhof Hörnli durch breite, grüne Baumbänder gegliedert. Zum einen sind es geometrisierte Alleen, zum anderen nahezu waldartige Umrandungen mit reichhaltiger Strauchschicht. Diese Umfassungen und Alleen bestimmen die Proportionen des weitläufigen Friedhofs und geben der Anlage Anleihen barocker Absolutheit.
Das neue Krematorium liegt inmitten bzw. hinter einer dieser ‚waldigen Ecken’ mit dichter Strauch- und waldartiger Baumschicht. Die Eigenschaften ‚dicht’ und ‚waldartig’ werden mit unseren Bosquets neu interpretiert. Der Ort wird zu einem abgeschlossenen Garten, eigenständig und dennoch sehr verwandt in der Gestalt.

Den Neubau hinter die Bosquets zu legen schafft zweierlei Qualitäten:
Erstens wird das Haus eingewaldet. Die Dichtheit des ehemaligen Waldstücks wird übersetzt in eine geometrisierte, barockähnliche Form eines Bosketts. Der Sprung in die zweite Reihe versteckt es hinter zwei, zum Bestand analoge Heckenfelder, die den öffentlichen Teil vom Anlieferungshof elegant trennen, ohne eine Wand bauen zu müssen. Einblicke von Fussgängern und vorbeifahrende Autos werden unterbunden.
Eine zweite Qualität liegt in der Ost-West gerichteten Anordnung des Ofenraums. So können die Betriebsräume zum Ehrenhof hin orientieren werden. Die in der Machbarkeitsstudie noch unterridischen, kaum belichteten Betriebsräume werden mehr als ausreichend belichtet und belüftet. Sogar ebenerdige Ausgänge in den Hof sind möglich, so lange die Sockelwirkung der Ehrenhofmauer gewahrt bleibt. Lange Schlitze, von Efeu umrankt beleuchten den Gang, Aufenthaltsraum und Ofenraum. Nach Rücksprache mit einzelnen Mitarbeitern und Leitern von anderen schweizer Krematorien wurden wir auf diesen Missstand mehrfach hingewiesen. Daher, so denken wir, darf man ein solche Chance keinesfalls verstreichen lassen.
Verlässt man das Aufbahrungsgebäude, befindet man sich inmitten des ersten Bosquets, in einer Art Innenraum, einem ‚Salle de verdure’. Buchenstämme begleiten die Raumfolge. Der Weg weitet sich in der Mitte des ersten Bosquets zu einer kleinen Lichtung mit steinernen Sitzbänken und einer Stahlschale im Zentrum. Hier könnten symbolische Feuer gezündet werden, ein Treffpunkt vereinbart, persönliche Abschiedsrituale unter freiem Himmel gefeiert werden. Der weitere Weg, mit rollstuhlgängigem Gefälle, führt in das zweite Bosquet, den Eingangsbereich und Kondolenzgarten des Krematoriums. Die Lichtung ist überdacht, getragen vom Portal und einer Lichtstütze. Eine grosse Bank in Kombination mit leichten Stahlstühlen, wie sie sonst auf dem Friedhof verwendet werden, erlauben verschiedene Sitzgruppierungen. Hier kann man sich treffen, warten, Abstand halten zur Kremation, Abschied nehmen oder eintreten in den Besucherraum, der den Blick in den überhohen diaphanen Ofensaal öffnet, um einen geliebten Menschen zu verabschieden.
--Mitarbeit: Simon Staudacher; Haustechnikkonzept: Roland Wüthrich; Tragwerk: Matthias Schmidlin; Landschaft: Seraina Kuhn von Tobler Landschaftsarchitekten; Technik: Dr. Gebhard Schetter von Dipl.-Ing. RUPPMANN Verbrennungsanlagen GmbH und Henrik Clemens von IFZW GmbH & Co. KG; Beratung: Cyrill Zimmermann Leiter des Krematoriums Nordheim sowie Stephanie Stratmann Architektin.
Haus Frohsinn
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- Kategorie: Gebautes, Realisiert
« servir et disparaître »
Die Wirkung des Hauses. Beinahe vernakular.
Das Haus Frohsinn in Unterägeri ist nun fertiggestellt. Zuletzt wurden der Brunnen vor dem Haus und das Familienwappen auf dem Dach montiert. Die Fotografien stammen wie immer von Rasmus Norlander. Dieses mal wollten wir die Fotografien um ein Experiment erweitern. Statt wie bisher Bilder mit erläuternden Texten zu ergänzen baten wir Benedikt Profanter das Haus aus seiner Sicht zu dokumentieren. Mittels Film und Interview zeigt er einen anderen Zugang zu unserer Arbeit bzw. zu unserem zweiten 'anonymen' Haus nach dem Kolinplatz. Das Interview in ganzer Länger ist hier zu finden.
The house 'Frohsinn' in Unterägeri is now completed. Finally, the fountain in front of the house and the family emblem of the family were mounted on the roof. As always, the photographs were taken by Rasmus Norlander. This time we wanted to extend the photographs by an experiment. Instead of supplementing the pictures with explanatory texts we asked Benedikt Profanter to document the house from his point of view. Through film and interview he shows a different approach to our work and to our second 'anonymous' house after Kolinplatz. The interview in full length can be found here.
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Studien zeigen, dass die Nutzung des herkömmlichen Wohnzimmers kaum den oft grossen Flächenverbrauch rechtfertigt. Vor allem die Küche, als 'Kommandozentrale' ist weitaus wichtiger und hoch frequentierter Ort in Familienwohnungen. Wir kombinieren daher die grosse Essküche mit einer Sofaecke zu einem recht grossen Raumgefüge. Die Stube ist Erweiterung des Schlafzimmers, Lichtraum und Wintergarten gleichermassen. Es liegt in der erweiterten Diagonale von Eingang und Küchenblock.
Eine Bildfolge mit 28 Bildern, die einen kleinen, exemplarischen Einblick in unsere Arbeitsweise gibt. Es zeigt wie breit wir den Entwurf abstützen wollen. Wie wir den Blickwinkel zu Gunsten eines gesamtheitlichen Bildes stets zu ändern versuchen.
Topos Beim ersten Besuch erstaunte es, wie still und ruhig die Häuserreihe wirkte. Wie laut war doch die wenig entfernte Durchgangsstrasse. Die nördlichen Nachbarn präsentierten ungeniert ihre fahlen Rückseiten. Im Grund schöne Zwischenräume verkamen zu freudlosen, asphaltierten Parkplatzflächen. Dennoch, die ursprünglichen Qualitäten waren teils noch spürbar. Unser polygonaler Fussabdruck schuf Aus- und Einbuchtungen, die den Neubau eng mit seiner Nachbarschaft und Geschichte verknüpften. Auf der anderen Bachseite waren mittlerweile einige der alten Häuser ausdruckslosen und zu hoch geratenen Bauten gewichen. Der Dorfkern zerfiel zur Unkenntlichkeit. Man baute nach Gesetz und verkannte seit langem angelegten Charakteristika.
Tektonik Unser Haus wurde höher als die Früheren. Es war keine der historischen Baute mehr, für Selbstversorger und eine einzelne Familie. Es sollte wie andere, ebenso ein rentables Mietshaus sein. Durch seine Grösse und Wirkung sollte es aber den Dorfkern stärken. Einem Kaltstart gleich begannen wir zuallererst damit die Konstruktion zu bestimmen: Wegen des Materialvielerleis ringsherum, wollten wir die liegenden Hölzer von Blockbauten nun dem Lastabtrag entsprechend vertikal aufrichten. Die einfachen Kantholzreihen könnten von kleinen, örtlichen Zimmereien aufgestellt werden. Der resultierende Ausdruck berührte uns. Er war ungemein direkt, roh. Ja, der Rohbau sollte bereits schon Ausbau sein. Wir verzichteten auf Verputze und Gipstrockenbau. Das entspricht auch dem für das Haus zugedachte Klientel. Ein so rohes Haus wäre nicht jedermanns Sache. Eine gute Voraussetzung. Trotz der später verordneten Anpassung zu einem Holz-Beton-Hybrid blieb seine Wirkung unverändert.
Typus Die Regelgrundrisse entwickelten wir diagonal - hin zum Sonnenlicht der Laternenstuben. Sie öffnen das Haus in die Nachbarschaft. Sie scheinen geradezu in das Dorf zu grüssen. Metallerne, rankgerüstartige Markisen zeichnen die Öffnungen der Laternentürme nach. Sei spannen das Haus auf und brechen, wie die rote Farbe das Volumen. Im gedämpft belichteten Zentrum der Wohnung steht ein fahrbares Buffet. Hier liegt die Kommandozentrale des Familienlebens. Das ungewöhnlich grosse Koch-, Esszimmer begrenzt ein Alkoven. Kinder spielen vielleicht davor. Diejenigen, die nicht mehr bei der Tischgesellschaft sitzen mögen ruhen hier. Die helle Laterne liegt dahinter. Ein eigentliches Wohnzimmer braucht es nicht mehr. Es wirkt eher wie ein Aussenraum. Wie in einem Wintergarten sitzt man vor den Baumkronen.
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Topos During the first visit it was astonishing how quiet and peaceful the row of houses had appeared. How noisy was the little distant thoroughfare. The northern neighbours presented their pale backs. Former beautiful spaces in between turned into joyless, asphalted parking lots. Nevertheless, the original qualities were still partly noticeable. Our polygonal footprint created spacial bulges and concaves that inweaved the new building with its neighbourhood and history. On the other side of the little creek, some of the old houses had given way to expressionless and too high buildings. The village centre fell apart and became unrecognizable. One built them in accordance with the law, but neglected long established characteristics. We wanted to do better.
Tectonics Our house became higher than the existing ones. It was not one of the historical buildings any more, for self-sufficient people and single families. Like others nowadays, it was intended to be a profitable apartment house. But by its size and impact it should strengthen the original atmosphere of the village centre. First of all, like a cold start, we began to determine the constructional concept: Because of the material muddle all around, we simply wanted to vertically put up lying wooden logs of the surrounding blockhouses, according to their load bearing. The simple rows of squared lumber could be erected by some small local carpenters. The resulting expression touched us. It was tremendously direct, raw. At once we understood, the structural work should already be the interior finishing. So we avoided plastering and dry gypsum construction. That also corresponds to the clientele that was intended for the house. Such a raw structure would not be everyone's cup of tea. A good precondition, we found. Despite the later ordered adaptation to a wood-concrete hybrid, its character remained unchanged.
Typus We developed the standard floor plans diagonally - towards the sunlight of the so called Lantern Parlor. They open the house into the neighbourhood. They seem to greet to the village. Metallic, scaffold-like awnings trace the openings of the Lantern Towers. They span the house and, like the red colour, break up the volume. A trolleylike buffet stands in the dimly lit centre of the apartment. This is the headquarters of family life. The exceptionally large cooking and dining room is confined by an alcove. Children may play in front of it. Those who no more like to stay at the table rest here. The bright Lantern lies behind it. An usual living room is no longer needed. The corner room seems more like an outside space. Like in a winter garden one sits in front of the treetops.
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Auftrag nach privatem Einladungsverfahren: Mehrfamilienhaus in Unterägeri, Projektleitung und Ausführung Martina Maurer, Projektleitung Bauprojekt und prov. Ausführungsplanung Reto Fuchs, Mitarbeit Entwurf: Stephanie Stratmann, Bauleitung durch Widmer und Partner Ag, Zug
Ton Stein Scherben
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- Kategorie: Gedachtes, Nicht Rangiert
« So besehen gehören Krematorien zu den anspruchsvollsten architektonischen Massnahmen überhaupt; sie müssen den Weg vom Tod ins – symbolische – Weiterleben in dieser Welt an der kritischsten Stelle des Verlassens der irdischen Hülle so begleiten, dass alles erträglich ist und gleichwohl als das erscheint, was es ist, normal und unausweichlich. »
Werner Oechslin:'Wie die Alten den Tod gebildet'; aus: Ivo Zemp: Die Architektur der Feuerbestattung Seite 7.
Station 1 Bild oben Die Häusergruppe umfasst einen Hof. Rechts, eine Kolumbarienwand aus reliefierten Betonfertigteilen. Darüber liegt ein durchhängendes, textil wirkendes Blechdach auf breiten, massigen Stützen. Der im Friedhof bisweilen grosse Massstab wird enger. Ausladende Baumkronen überdachen den Ort. Verzinkte Stahlrohrstühle sind frei platzierbar. Man sitzt alleine oder in der Gruppe. Fest installierte Bänke bilden dazu vereinzelte Fixpunkte.
Die Wege werden um das Krematorium mit Polygonalplatten belegt. Sie werden vom Friedhof kommend immer schmaler. Der Pulk der Trauernden löst sich allmählich auf und vereinzelt. Man kann nur noch zu Zweit nebeneinander laufen. Die Gespräche werden gedämpfter, die Stimmung wird ruhiger, der Schritt langsamer. Zwischen den Plattenfugen liegen hin und wieder Natursteine, vielleicht auch alte Grabsteine. Das Haus betritt man einzeln.
Station 2 Bild oben Der Eingang, noch schmaler als der Weg davor, ist nicht viel grösser als eine gewöhnliche Haustür. Das Haus wirkt nicht gross, eher lang, vor allem aber einer Hütte verwandter als einer Kirche. Darüber schwingt die Dachlandschaft auf feiner, stählerner Lattung. Das Haus betritt man einzeln. Drinnen wird es ruhig und gedämpft. Raum und Licht führen nun.
Station 3 Bild oben Vom Windfang blicken wir diagonal in die Eingangshalle. Rechterhand liegen die verdeckten Eingänge der hölzernen Aufbahrungsräume. Licht schimmert aus dem Gang. Ein durchhängendes, textil wirkendes Innendach, weiss, mit dicker Farbe gestrichen, reflektiert den Lichteinfall. Der Hall wirkt gedämpft, die Oberflächen beschränken sich auf Holz und Kunststein. Akzente setzen das Mobiliar und die Leuchten. Ein grosses Fenster mit geschwungenen Leibungen und aussenliegender, rahmenloser Scheibe wirkt wie eine Vitrine in den künstlichen, alpinen Garten. Er ist dicht und satt gestaltet. Moose, Flechten, Bergnelken zwischen dem Steingarten. Sie sind die Vorboten auf die kommende Station.
Station 4 Bild oben Nach den Räumen der Aufbahrung und vor dem Ofenvorraum, der eigentlichen Kremation, kontrastiert ein heller, bruchhafter Übergang. Man blickt in die Bergwelt mit einem breiten Panorama, in Richtung Wimmis, den Hausberg Niesen. Er spiegelt sich im Teich, dessen Ufer Sträucher, Schilfe und niedrige Bäume säumen. An einem weit ausladenden Dach, hängt an feinen Stäben eine dünne Balkonplatte über dem Wasser. Die Schwere des Hauses wird hier gebrochen, der Blick wird in die Weite gelenkt, bevor man entlang der geschwungenen Holzverkleidung der Aufbahrungsräume in den Ofenvorraum tritt.
Station 5 Bild oben Der Ofenvorraum. Die Blickrichtung gleicht der Vorherigen, in Richtung Niesen. Doch jetzt sieht man nur noch dessen Bergspitze und den HImmel darüber. Seitliches Licht kommt kontrastreich von oben und streift die rauhe Mauer zum Ofenraum. Der Raum ist noch nicht ganz fertig gedacht, doch die Aussage ist klar: Er bleibt still, präsent, ganz ohne Beiwerk.
Situation Universelle Antwort auf den Tod kann nur die Natur geben. Sie wirft uns zurück, auf das Unvermeidliche, ja Normale – das Diesseits zu verlassen. Die südlich gelegenen Bergketten sind allgegenwärtig. Dessen Protagonisten Niesen und Stockhorn sind nicht nur im Thuner Gebiet klingende Namen. Diese Berglandschaft wirkt für den Entwurf wie eine Kompassnadel. um die Häusergruppe des Krematoriums auszurichten. Wir setzen das Eingangshaus in Nord-Süd Richtung, also Richtung Niesen. Das Krematorium und der Werkhof bleiben zum Friedhof orthogonal gerichtet. Durch den Knick entsteht ein Hof, den die Werkhalle abschliesst. Sie schützt vor der Strasse und trennt elegant den sakralen vom profanen Teil des Werkhofs.

Bewegung und Blickrichtungen Im Inneren widerspiegeln sich die landschaftlichen und städtebaulichen Beziehungen in den verschiedenen Stationen. Die Bewegung wird diagonal und quer zur Schnittfigur des Hauses geführt. Unerwartete, überraschende Raumwirkungen und Sichtachsen auf die Landschaft entstehen – von idyllisch fokussierten in der Halle, über unerwartet grosszügig kontrastierenden, bis zu dramatisch reduzierten, im Ofenvorraum am Ende des Weges.

Konstruktion, Tragwerk, Stimmung Kennt man die Holzkirchen beispielsweise im Maramures Gebiet, in den Karpaten Rumäniens, weiss man welche Kraft kleine Kirchen oder besser kleine Häuser entwicklen können – gerade weil die Machart und Dimension den traditionellen Strickhäusern so verwandt ist. Haus und Kirche sind sich hier sehr ähnlich. Sie sind kleinmasstäblich, handwerklich, wirken nicht einschüchternd, sondern eher umarmend, auch die weit ausgreifende Dächer wirken schützend und ‚behausen‘ diejenigen, die Abschied nehmen müssen.
Wir entwerfen in unserem Kulturkreis mit ähnlichen Absichten. Unsere Referenzen sind einfache, ruralen Bauten der Alpen. Massive, dicke Felssteinwände, heutzutage mit Blechdächern gedeckt. Für uns ein schöner Kontrast, den wir überhöhen, durch elegante Schwünge feierlicher gestalten. Uns gefällt der Kontrast zwischen dem schweren Haus und dem luftigen Dach. Diese Dualität zieht sich durch das ganze Haus.
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Offener Projektwettbewerb für ein Krematorium auf dem Friedhof in Thun-Schoren mit Landschaftarchitektur von Seraina Kuhn, Tobler Landschaftsarchitekten
Sigristenhaus Illgau
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- Kategorie: Gedachtes, Nicht Rangiert
Fragestellung, Identität Wir verstehen das uns abgegebene Programm weniger als abzuarbeitende Bedingungen eines Wettbewerbes, um Räume für einen Landgasthof betriebsgerecht zu ordnen, sondern als Aufforderung, über die Identität von Illgau zu reflektieren und Antworten zu formulieren, was das zukünftige Dorfzentrum ausmachen könnte. Von was wird man erzählen oder gar schwärmen, hat man denn einmal den Ort besucht? Wir rücken die Fragen nach dem Charakteristischen, dem Wesen von Illgau ins Zentrum unseres Beitrages. Daher holt unser Vorschlag vielleicht etwas weiter aus als erwartet und formuliert Aspekte von Idylle. Vermutlich wurde unser Beitrag deshalb nicht rangiert.
Einzigartigkeit Wie machen wir das neue Sigristenhaus und den Dorfplatz einzigartig? Wie baut man ein solches Dorfzentrum, wenn die Produktionsbedingungen heutiger Bauten, montiert aus vorrangig industriellen Halbfertigteilen, zu immer austauschbareren Häusern führt? Grundlage der Identitätsbildung, so wie wir sie verstehen, ist zuallererst, die für jeden Landstrich unverwechselbare Landschaft. Landschaft und Klima waren schon immer Bedingungen für ganz unterschiedliche, vernakuläre Bautypen und Konstruktionen. Wir wissen, welche Merkmale Bauernhäuser im Kanton Schwyz und im Muotathal besitzen. Dort knüpfen wir an und denken weiter. Illgau bietet bekanntermassen ganz besondere landschaftliche Qualitäten, die wir mit unserem Eingriff wiederherstellen, aber auch neu prägen wollen. Wir wollen die Aussicht auf die umliegenden Berghänge, die Gruppierung um einen gemeinsamen Kirch- und Dorfplatz sowie das Tosen des wilden Bettbachs erfahrbar machen.
Setzung Die alte Post und das Haus Hinterdorf standen eigentlich ganz gut an Platz und Strasse. Sie wendeten dem Bach aber den Rücken zu und standen zu nahe beieinander. Wir lösen das bisherige Konglomerat ins Malerische auf, formen gut ablesbare, ähnlich grosse Volumen, die sich im Verbund durch ihre Ähnlichkeit stärken. Wir übernehmen die Neigung und Traufhöhe des Sigristenhauses. Die Neubauten bleiben kleinteilig im Massstab, nah am Menschen. Dagegen bleibt die Kirche verhätlnismässig mächtig und in ihrer Stellung unbeeinträchtigt. Das Haus Hinterdorf dagegen wird stark redimensioniert. Wir drehen den Giebel, schieben ihn weit von der Strasse zurück. Das Haus ist nun recht klein, ein Nebengebäude, wie anno dazumal. So wird der Kopfteil des Sigristenhauses mit den jeweiligen Treppenaufgängen wieder gut sichtbar.
Die gewünschte Terrasse auf dem Hochparterre lassen wir zu Gunsten eines lebendigen Strassenraumes ebenerdig. Dort trinkt man einen kurzen Cafè auf dem Weg zur Luftseilbahn, nimmt ein Handwerkerznüni oder Feierabendbier. Wir gewichten den Strassenraum höher als den betrieblichen Mehraufwand durch die etwa 10 Tritte. Die Säle bieten bei Bedarf zusätzliche kleine Terrassenplätze. Wir wissen, dass die Aussenbestuhlung mit den ersten Sonnenstrahlen bereits Besucher anzieht.
Aussenbeziehung, Restaurant Wir teilen den grossen Saal in zwei kleinere auf. Wir drehen Sie so ab, dass sich nur deren Ecken verschneiden. Dennoch sind die Sichtachsen weit geöffnet. Die neuen Volumen konkurrenzieren so nicht das mächtige Kirchenschiff. Wir wollen keinen grossen Saal neben dem Krichensaal bauen. Die Säle alternieren in ihrer Ausrichtung. Eine Fassade bestimmt den Dorfplatz. Der zwischenliegende Saal richtet die Terrasse nach Norden zum Bettbach. Man mag denken, die Nordseite sei weniger attraktiv. Das stimmt so nicht. Sie wird attraktiv, weil wir auch eine Südseite bieten. So wie man gerne in der Sonne sitzt, wenn man auch einmal im Schatten liegen kann. Wer erkennt, wie schön Bergwände als Leinwand für die Sonne sein können, so wie es die japanische Baukultur kennt, versteht die von uns gesuchten Qualitäten. Das SIgristenhaus öffnet sich nun nach allen Seiten. Erst so wird es zum Leben kommen.
Einbettung Es gib also keine Hinterseiten mehr. Alle Seiten werden bespielt. Im Sockelgeschoss befinden sich die Doppel- und Familienzimmer zum Bettbach, von aussen erschlossen. Die Kinder spielen im Flussbett, in den Gletschermühlen, oben sitzen die Eltern am Grillplatz. Die Museumsbar öffnet ein Eckfenstern und einen kleinen Sitzplatz zum Bettbach. Eine Treppe macht die optionale Sauna auch für Externe zugänglich. Vielleicht könnte in den Fels eine Wanne geschlagen werden, ähnlich einer Gletschermühle. Hier drin ist man dem Bettbach ganz nah, geschützt im Grün.

Identität Wir bauen den Sockel und hölzernen Aufbau ähnlich dem Bestand. Ein scharfkantiger Betonsockel, gestockt und geschlämmt. Darüber liegt eine einfache Holzkonstruktion mit Zwischendämmung, darauf langsehnige, schmale Schindeln. Natürlich sind auch Verwandtschaften zu den Ställen der Gegend spürbar. Uns gefällt deren Reihung, die weit auskragenden Dachüberstände. Die neuen Bauten oszillieren zwischen ruraler Figur mit Lauben und zeitgenössisch, teils sakralem Ausdruck. Wir wollen nicht nur für das Vereins- und Gemeindeleben Illgaus bauen, sondern ein indentitatsstiftendes Dorfzentrum mit Strahlkraft für die Region. Ein Restaurant, eine Beiz ja schon, aber vor allem auch Klangräume für die Musik. Mit Täfer und Türen aus Vollholz konstruieren wir direkt und langlebig. Die Hölzer in den Hotelzimmern und den Sälen stimmen die Räume warm und gemütlich. Im Saal ist der Dachraum mit einem holzigen, textilen Geflecht gefasst. Damit konditionieren wir den Raum akustisch, wie atmosphärisch.
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Eingeladener Wettbewerb. Ohne Rangierung. Wir arbeiteten im Team mit Lauber Holzbau Ingenieure.












