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Weinberg
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- Kategorie: Gedachtes, On Hold
« Nicht Architektur, sondern kultivierte Landschaft* »
Öffnung eines ursprünglich privaten Weinberges in Glarus.*lat. colere: Natur urbar machen aber auch cultura: Pflege und Unterhalt.
Weithin ist der Weinberg von Ennetbühls sichtbar. Schon im Wettbewerb zur Linthbrücke zielte dessen Linienführung auf den sonnenbeschienenen Geröllkegel, der sanft über eine Runs nach Ennenda ausläuft. Darüber liegen Schilt und Bärenköpfe, weiter südlich die Aeugstenhütte. Der Steg verbindet nicht nur Ortsteile, sondern Stadt- und Landschaftsräume. Mittig in der Ansicht des Weinbergs verstellt ein recht hübscher Vertreter des Heimatstils die Reben auf den Terrassen dahinter. Ungefähr hundertjährig, hockt das Haus über einer auslaufenden, giebelständigen Häuserreihe.
Innen wirkt der hübsche Bau überraschend kleinräumig, wegen des Eternittäfers geradezu kühl . Mieterinnen und Mieter sitzen mitunter noch bis am Sommerbeginn in gefütterten Jacken an den Tischen. Vor allem ist der Unterhalt des Weinbergs eien grosse Bürde und viel Aufwand verbunden. Der Unterhalt der Stützmauern aus Naturstein verlangt nach aufwändigen Instandhaltungsarbeiten. Eine der rutschenden Mauern fiel bereits um.
Ausgangslage Es stellte sich uns folgende Frage: Wie können wir die Qualitäten des Weinberges in Ennetbüehls besser zur Geltung zu bringen, ausbauen und zu einem 'selbsttragenden', offenen Erlebnisraum umwidmen. Der 'ummauerte Garten' soll nicht privatem Amüsement anheim fallen, sondern ein öffentlich zugänglicher Ort werden. Der Ort liegt entlang der zukünftigen Glarner Kulturmeile, die einmal vom Hauptbahnhof über den Linthsteg erschlossen sein wird.
Mit dem Arbeitstitel ‚Erlebnis Wiberg‘ werden verschiedene Ideen und Angebote vereint, mit denen der Ort als zuversichtliches und starkes Zeichen für Glarus, ja für das Glarnerland etabliert werden soll. Der Ort soll zu einem gesellschaftlichen, kulturellen Anziehungs- und Ausgangspunkt umgeprägt werden. Es geht dabei nicht um landläufige gastronomische Nutzungen, sondern um Räume zur Aneignung durch verschiedene Gruppen oder Einzelpersonen. Wir denken an einen Weihnachstmarkt, ein Winzerfest mit unplugged Musik (wie in Tann am Bielersee), improvisierte Studiokinos in der Garage, eine Skulpturenausstellung vom Kunsthaus kuratiert, Hochzeiten, Geburtstagsfeiern und Lesungen in der Saletta, Meditationen, Entspannung im Hotpot und Übernachten im Weinberg. Mit dem vorliegenden Projekt wollen wir 'anstossen'. Der Weinberg soll zu einem Ort für Alle, für die Glarner werden.
Das Schutzziel betrifft die Typologie, den kulturhistorischen Wert sowie das Ortsbild. In diesem Fall die Terrassenbauwerke und die Nutzung als Weinberg: „ Ein Glarner Unikum. Nach dem Stäfener Handel, in welchem die lokalen Rebleute unter Zürcher Zunftzwang gestellt werden sollten, brachten Flüchtlinge Reben mit und pflanzten sie für Fridolin Trümpy-Altmann aus Widerstand an.“
Annnäherung Ursprüngliches Ziel war es den Bestand zu erhalten und weiter zu entwickeln. Oft fuhr ich am Weinberg vorbei und dachte: Das schöne Haus ist die Messlatte – zugegenermassen recht hoch gelegt. Alles was folgen wird, muss besser sein. Bei all den unzähligen Vorschlägen, die den Bestand zu erhalten und zu integrieren versuchten, waren die Aussenräume ungünstig platziert und als Erschliessungsräume verstellt. Die Baute warf nicht nur Schatten, was zu dulden wäre, sie bildete auch kaum nutzbare Vorder- und Rückseiten. Ungenügend wirkte auch die weiterhin verstellte Sicht auf den Weinberg. So würde er nicht besser werden, nur anders. Keine der Lösungen bot Besserung. Die Situation wurde eher unklarer und unterstütze das eigentliche Schutzziel nicht: Nämlich nicht ein Haus, sondern das Terrassenbauwerk ins Zentrum zu rücken und seine Nutzung als Weinberg nachhaltig zu ermöglichen.

Das bestehende Haus wurde vor gar nicht so langer Zeit gebaut. Eine undatierte Fotografie, vermutlich um 1911 zeigt den noch unverbauten Weinberg. (siehe Galerie oben, letztes Bild) Am Hangfuss stehen nur ein paar Hütten. Das lies uns nach Wochen des Arbeitens mit dem Bestand doch an einen Rückbau denken. Wir räumten den Hangfuss über die ganze Länge frei. Dann schlossen wir südlich mit einem höheren, turmartig aus der Mauer wachsenden Bau längs der Runs ab. Wie ein Pförtner steht das hohe Haus nun da, verankert den Hang und schützt die Bauten darunter vor den Runs.
'Wie Tempelreste', so beschreibt Bernard Rudofsky die Zitronengärten am Gardasee. Dabei sind es Gewächshäuser beziehungsweise Rankhilfen für Zitronen. Die Lesbarkeit solcher Urtypen ist mannigfaltig. Wir arbeiten ähnlich und legen bewohnbare Stützmauern dazu. Die Zwischenräume füllen wir mit weinberankten Pergolen. Endlich rückte der Weinberg präsent in den Vordergrund. Er öffnet sich als terrassierter Raum zwischen dem zwischen Turm- und Rebhaus, zwischen dem höchsten und dem tiefsten Punkt des Weinbergs. Es scheint als bräuchte es tatsächlich weniger eine architektonische Antwort, also ein Haus mit Fassaden, sondern eher einen verfeinerten, einen kultivierten Landschaftsbau. Wir spürten hier mit dem Ursprung aller Architektur antworten zu müssen, nah an der Urbarmachung und Kultivierung von Natur. Der architeketonsiche Ausdruck sollte anonym bleiben, irgendwie ungestaltet. Es ging um einen nutzbaren Garten, gesäumt von einem Natursteinfried und kräftigen Säulenstellungen. Wir bauen hier also weniger Häuser, mehr einen Weinberg. Dieses starke Gefühl wird zieht sich durch alle noch folgenden Entscheide des Projektes.
Ortsbau Der vor der Stützmauer und dem muralen Turmbau liegende Freiraum wird von einem Impluvium geteilt. Ein Regenwasser Reservoir also, das als Brunnen oder, wenn ohne Wasser, als Platz genutzt werden kann. Es trennt den privaten Wohnteil von der öffentlichen Nutzung des grossen Platzes und kann jeweils mittels Türen und Vorhängen der einen oder anderen Seite zugeschlagen werden. Der neue Hof ist das kraftvolle Zentrum der Anlage. Ein freier Raum der Richtung Vorderglärnisch zeigt. Von hier aus bildet er eine fast perfekte Pyramide. Den Hof verstärken laterale Veranstaltungsräume. Ein kleiner Saal, die Saletta mit Kaminecke, dahinter ein Weinkeller, eine Garage, die als ungeheizter Mehrzweckraum nutzbar ist.
Neben den prägenden Massivbauten fassen vor allem Kolonnaden den öffentlichen, umprogrammierten Ort. Keinen gängigen Funktionsräume also, sondern Orte des Austauschs, Markthalle, Agora und Inkubator.
'Arkaden sind Architektur gewordene Nächstenliebe. Privateigentum, das einer ganzen Gemeinde gewidmet wird. Sie sind Ausdruck von Kollektivität und Gesellschaft.
Bernard Rudoskfy in Architektur ohne Architekten
Nutzung Neu werden vor allem Nutzungen für den Weinberg vorgesehen. Eine Abwartswohnung. Die Betreiber können sich so rund um die Uhr um den Betrieb und Unterhalt kümmern. Gäste können jederzeit empfangen werden.Daneben liegt ein kleines Büro. Man will vor Ort sein und nicht ausser Haus arbeiten. Darüber liegen vermietbare B’n’B Zimmer. Den Hauptraum am Hof bildet die Garage. Sie ist nicht beheizbar, aber mit einem Doppelboden und gedämmten Toren ausgestattet. Darin können Veranstaltungen in den lauen Übergangsmonaten angeboten werden. Im Sommer bietet sie weit geöffnet Platz für eine lange Tafel oder einen Kinoabend in einer warmen Sommernacht. Im Torhaus liegen erdgeschossig ein grosser Weinkeller, ein kleiner Saal, die Saletta mit Kamin. Darüber gibt es zwei, räumlich dichte, dennoch altersgerechte Wohnungen. Ganz oben liegt eine von aussen zugängliche Terrasse als Voliere. Hier wird eine Falknerei ihren Platz finden.
Nachhaltigkeit Vögel werden in den Mauernischen der Kalksteinwände nisten. Schwalben, Fledermäuse, Mauersegler und Insekten sollen ihren Platz haben. Nachhaltigkeit verstehen wir nicht als Floskel oder solitäre Forderung, sondern als ganz grundätzliche Voraussetzung des Entwurfs. Wir wollen aus der Natur und mit der Natur bauen.
Die Konstruktion wird zweischalig ausgeführt. Aussen mit In Situ präfabrizierten Trasskalk Elementen. Innen bauen wir eine offenporige Dämmung mit Misaporwänden. Die Konstruktion soll den Neubau möglichst nah an die bestehenden Natursteinmauern bringen. Nicht nur sollen die Wände im Winter schützen, sondern auch auf die ausgesetzte Sonnenlage reagieren. Mit Masse kann dem sommerlichen Wärmeschutz am Besten entsprochen werden. Mit Material aus dem Glarnerland (Kalkfabrik Netstal) wird die Grauenergie stark reduziert. Vordächer sind gleichzeitig Photovoltaik Anlagen. Sie werden nicht versteckt, sondern selbstverständlich in den Entwurf integriert. Bereits das Eingangstor überdeckt eine amorphe Anlage.
Das Erlebnis Weinberg ist nicht einfach ein touristisches Projekt, auch kein rein kultureller Hotspot und schon gar keine renditeträchtige Investition. Das Projekt Wiberg soll Absichtserklärung sein für eine durch und durch nachhaltige Entwicklung, sowie für besondere Bau- und Denkweisen. Mit dem Projekt Wiberg wollen die Bauherrschaft und wir das Glarnerland weiterbingen und für die Glarner Baukultur einen wichtigen Baustein schaffen.
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Das Projekt ist ein Studienprojekt und von der Umsetzung noch weit entfernt. Mit diesem Projekt arbeiteten wir zum ersten Mal ausserhalb historischen Kontextes.Es ging mehr darum was Kultur bei andschaft und Haus bedeuten könnte. Fragen zu den Ideen bitte an die Betreiber über die Webseite: Weinberg 'Steirumpel'. Mitarbeit: Fabian Bisig, Martina Maurer, Benedikt Profanter Künstlerische Begleitung: Flurin Bisig
Umbau Bergstrasse
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- Kategorie: Gebautes, Realisiert
« Belassen wo möglich, eingreifen wo nötig. »
Sanierung und Umbau eines in die Jahre gekommenen Wohnhauses.
Für eine junge Familie brachten wir ein etwas vernachlässigtes Haus in Ennenda wieder auf Vordermann. Die Geschichte des Hauses reicht zurück bis in das Jahr 1791. Über die Zeit wechselten manche Zimmer ihren Besitzer - ganze Hausteile wurden „verjasst“, in Ennenda kein Einzelfall. Die verschachtelten Eigentumsverhältnisse waren eine Herausforderung. Der nutzbare Grundriss wechselte von Geschoss zu Geschoss seine Grösse. Bevor man sich überhaupt Gedanken zu den konkreten Umbaumassnahmen machen konnte galt es herauszufinden, ob und wie die Anforderungen an den Brandschutz realisierbar waren.
Die Küche und das Bad waren kaum mehr gebrauchstauglich, die Wohn- und Schlafräume wirkten durch das dunkle Holztäfer beengend, fast muffig. Obwohl es auf den ersten Blick an Atem und Grösse fehlte war die Qualität der Raumstrukturen erkennbar. Nach ersten Entrümpelungen und Abbrucharbeiten kamen schöne, alte Parkettböden zum Vorschein. Die Absichtserklärung war schnell klar - belassen wo möglich, eingreifen wo nötig. Der Charakter des Hauses sollte erhalten und aufgefrischt werden und gezielte, verhältnismässige Eingriffe an den richtigen Stellen zu mehr Luft verhelfen. Das begrenzte Budget und die Offenheit unserer Bauherrschaft für weniger Komfort zugunsten von mehr Charakter und Eigentümlichkeit halfen uns, manchmal gelassen und pragmatisch reagieren zu können.
Parterre Der grösste Eingriff erfolgte im Parterre. In der Verlängerung der Eingangstreppe befindet sich die neue Hauseingangstüre. Man betritt das Haus über eine grosszügige Garderobe mit viel Stauraum für dieses und jenes. Die früher enge Küche, umgeben von einem dunklen und überdimensionierten Gangbereich, wurde von ihren Mauern befreit, die abgehängten Decken entfernt. Die bestehende Balkenlage lastet neu auf einem hohen, schmalen Brettschichtholzträger aus Buche. Die quer dazu gestellte Säule leitet die Lasten auf die darunterliegende Kellerwand. Unterzug und Säule wirken skulptural und feingliedrig. Die Figur zoniert den Raum. Sie bestimmt die Lage der Kochinsel, welche zum Essbereich hin mit einem offenen Regal ergänzt wird. Die grosszügige Essküche bildet das Zentrum des Hauses und gewinnt durch das vergrösserte Fenster und die weiss gestrichene Balkenlage an Frische und Grösse. Das Fenster rahmt den Ausblick in den Garten und ist zugleich Sitznische für den Esstisch. Die alte Hauseingangstüre wurde durch eine Fenstertüre ersetzt. Sie bringt zusätzliches Licht und wird zum Sommerausgang in den grossen Garten.
Prägend für den Raum sind neben der Tragstruktur die naturweissen Oberflächen aus Lehmputz und die weisslich geseiften Oberflächen der Einbaumöbel und Wandverkleidungen aus Seekiefersperrholz - Materialien die auch in den oberen Geschossen die Eingriffe prägen. Der geschliffene, fugenlose Hartbetonboden verbindet Garderobe, Essküche und Bad optisch und ermöglichte den Einbau einer Bodenheizung. Mit den neuen Materialien entstand eine wohnliche, freundliche Atmosphäre.
Die angrenzende Stube bewahrte durch den historischen, noch funktionstüchtigen Kachelofen, das frisch gestrichene Wand- und Deckentäfer seinen urprünglichen Charakter. Der ausgebaute Tafelparkett wurde nach den Brandschutzertüchtigungen der Deckentragstruktur wieder eingebaut. Geschliffen und frisch geölt erscheint dieser fast wie neu.
Obergeschoss Die Raumstruktur im Obergeschoss blieb weitgehend erhalten. Ein Zimmer wurde aufgehoben, dafür entstand ein neues Bad und eine offene Büroecke. Sie weitet den Bereich um den Treppenaustritt. Zusätzliches Licht kommt über die neue Fenstertüre der Terrasse. Sie bietet Abendsonne und Aussicht zur Schwammhöchi und dem Wiggis. Die neuen Einbaumöbel und Wandverkleidungen sind wie im Parterre aus weisslich geseiften Seekiefersperrholzplatten gearbeitet. Die Aussenwände der Schlafzimmer wurden gedämmt, mit Fichtentäfer verkleidet und Ölfarbe gestrichen. Das Glarnertäfer an den Decken konnte mit einem neuen Anstrich erhalten bleiben. Alte Parkettböden wurden geschliffen und geölt, neue Fichtenriemenböden geseift. Aus den ehemals drückenden, dunklen Kammern wurden wohnliche, freundliche Räume.
Dachraum Aus der unveränderten Treppeneinhausung, einzig ergänzt mit einem runden Guckfenster, tritt man in den offenen Dachraum. Die bestehende Sparrenlage sowie die Knie- und Giebelwände wurden gedämmt, verkleidet und weiss gestrichen. Seekiefer bildet den Übergang zwischen den hellen Wandflächen und den alten Bodendielen. Das gebürstete Gebälk kontrastiert die hellen Dach- und Wandflächen. Neue Dachfenster bringen dem Dachraum Licht und rahmen die Aussicht auf Vorderglärnisch und Schilt. Ersetzt wurden die alten Fenster im Giebel. Durch sie schweift der Blick vom Schreibtisch über die Dächer von Ennenda bis zum Kärpf.
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Direktauftrag. Private Bauherrschaft. Projekleitung: Martina Maurer, Fotografien: Maurin Bisig
Zum Umbau trugen bei: Runge AG, Marti AG Holzbau, Fenster Keller AG, Maler Zbinden AG, Z Feuz Elektro GmbH, Bäbler Heizungen AG, Aebli AG, Peter Kramer AG, Hösli Plattenbeläge, Steger Metall, Jacober + Elmer Bedachungen AG, Kaspar Bühler Kundenmaurer
Landsgemeinde Platz
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- Kategorie: Gedachtes, On Hold
« ...wie in der Demokratie entscheidet die Mehrheit. Schließlich kann sich ein Trampelpfad nur bilden, wenn ihn genug Menschen nehmen... »
Mä söt halt' mit einer Tiefgarage endlich den Glarner Zaunplatz autofrei bekommen und fein gestalten.
Ausgangslage Ein Zusammenschluss aus engagierten Gewerbetreibenden, Unternehmerinnen und Unternehmern machte sich daran, ein seit Jahrzehnten diskutiertes Thema in Glarus zu einem konkreten Projektvorschlag ausarbeiten zu lassen. Der Zaunplatz, auch Landsgemeindeplatz genannt, soll durch eine Tiefgarage autofrei und sanft gestaltet werden.
Die Gedanken und Entscheide wurden auf der Webseite www.zaunplatz.ch offengelegt. Dort finden Sie noch mehr Material als hier. Wir glauben einen soliden Vorschlag mit den vielen Beteiligten erarbeitet zu haben. Wenn nun die Autostellplätze, trotz allen Vorteilen, dennoch nicht unter den Zaunplatz gebracht werden sollten, dann müssen wir in Zukunft auch nicht mehr mit einem 'mä sött halt' weiter darüber diskutieren. Die Grundlagen sind bereit.
Den Zaunplatz wollen wir nicht nur als autofreien, sondern auch als einen vielseitig nutzbaren Ort verstehen, ein Ort der mehr kann. Freiräume in einer Stadt sind immer ein verlockendes Angebot auf das, was einmal sein könnte, auf eine Zukunft, die unmittelbar oder nach Abstimmungen auf dem Ring unsere Lebensrealität bestimmen wird. Der Platz ist Ausdruck unseres Verständnisses für Demokratie. Hier werden nicht nur Stimmen abgegeben, sondern eingebracht. Hier wird auch gesprochen und diskutiert. Unten sehen sie einen Vorschlag für eine kleine Inschrift wie sie mir der Glarner Künstler Martin Stützle zubrachte. Der Landamman Röbi Marti formulierte am Tag der Gemeindestrukturreform damit die Aufbruchsstimmung sehr bildhaft
«Jedesmal, wenn wir hier unter freiem Himmel und im Kranz
der Berge die Geschicke unserer Gemeinschaft beraten und beschliessen, dann spüren wir ganz genau, jetzt wird es Frühling.»
Den Initianten und uns war es ein Anliegen einen ansprechenden, wirkungsvollen Ort mit Glarner Charakter zu formulieren, der unverstellt und ungekünstelt bleibt. Einen eher pragamtisch und der alpinen Lage angemessenen Platz. Zum einen soll er durch seine schlichte Grösse und Ruhe wirken, zum anderen durch die Materialwahl eine starke Präsenz entwickeln. An den Rändern werden neue Orte geschaffen, an denen man sich gerne aufhält. Sei es, um Boule zu spielen, ein Glas Wein zu trinken oder um einzukaufen und Essen zu gehen.
Je mehr die westlich liegenden Gärten mit ihren Hecken und Mauern aus unserer Sicht den Platz zu verkleinern schienen, umso klarer wurde die vage Ahnung, dass es sich vielleicht nie um einen gängigen Platz handeln wird, sondern wie schon immer um ein grosses Stück Natur, um eine Wiese oder einen Anger, der mit den Gärten verwächst.

Der Ring liegt zum Zaunschulhaus asymmetrisch. Die Gärten halten sich nicht an das Karree und drängen den Ring in Richtung Westen, hin zum Glärnisch. Die Kantonalbank hat noch keinen rückwärtigen Anbau, der sich später zu einem markanten Gebäudekopf ausweitet. Die Gebäudeflucht der Marktgasse ist noch frei und unverstellt. Auch hinter dem Zaunschulhaus ist der Hofraum noch frei. Das Schulhaus dominiert den inneren und äusseren Zaun.

Achten Sie im Luftbild auf die Spuren in den Wiesen, wie hier in Adlenbach. Viele Strassen sind keine Asphaltflächen und hart vom Wiesland getrennt. Es sind eher Spuren in den Wiesen. Darauf brachte mich der Landschaftsarchitekt Jonas Beglinger aus Mollis als wir zusammen an der Erneuerung der Strassenbeläge und Brunnenplätze in Adlenbach arbeiteten.

Bei den Häusern sind die Kieswege deutlich. Auf den Feldern sind die Wege nur sanft gespurt. Die Übergänge zwischen Spuren und Grün verschleifen sanft. Es gibt keine harten Schnitte, die scharf zwischen Asphalt und Wiese unterscheiden. Wir verstehen die Gestaltung unseres Zaunplatzes ähnlich, wie eine stark genutzte, richtiggehend heruntergelaufene Wiese. Der Platz muss daher kaum gestaltet werden. Er ergibt sich, sozusagen von selbst, aus den darunterliegenden Steinen des Glarnerlandes und den natürlich genutzten, geschliffenen Wegverbindungen, die wie Trampelpfade entstehen.
Eine viel genutzte, herutergelaufene Wiese ist ein Platz.
Verhaltensforscher nennen das Phänomen der Trampelpfade übrigens „Desire Lines“, zu Deutsch „Wunschlinie“. Die Pfade gleichen eigentlich einer Abstimmung mit den Füssen – deshalb seien sie eine sehr demokratische Angelegenheit, sagt Prof. Dirk Helbing von der ETH Zürich: 'Wie in der Demokratie entscheidet die Mehrheit. Schließlich kann sich ein Trampelpfad nur bilden, wenn ihn genug Menschen nehmen.' Wir finden das eine wirklich schöne Erklärung. Wir kennen die Pfade in unserer Glarner Landschaft.

Den Auftakt am neuen Platz bildet eine Art Tor- oder Pförtnerhaus. Schon früher stand hier eine breite, giebelständige Baute. Der neue 'Glarner Pavillon' ist Ausstellungsort unserer Geschichte. Man zeigt hier unsere Eigenarten der Demokratie, unsere Herkunft und Zukunft. Zugleich ist er aber auch vielseitig nutzbares Foyer, Ticketkios, Eingangskontrolle und frei bespielbarer Raum für verschiedenste Nutzungen auf dem Platz. Nutzungsvarianten: Viehmarkt, Zirkus, Weihnachtsmarkt, Freiluftkino, Landsgemeinde, etc.
Ein- und Ausfahrt der Garage sind wichtigster und zugleich schwierigster Aspekt der Planung. Die Garage muss unmittelbar an die Hauptverkehrsachsen anschliessen. Die Strassen zum Platz sind für alle Fälle offen zu halten und die Automobilisten dürfen sich nicht mit den Besucherströmen der Anlässe kreuzen. Wir prüften sogar Tunnellösungen von der Sandstrasse aus.
Ein- und Ausfahrt sind auf der Marktgasse zueinander versetzt und einspurig. So bliebe die Marktgasse offen. Zwar ist die Lösung wegen der Tunnellänge etwas aufwändiger, folglich teurer, aber die Marktgasse bliebe durchlässig. Oberirdisch würde nur eine Spur genutzt. Diese Variante ist unser derzeitiger Favorit.

In der kleine Parkhausvariante wurde ein grosser Bereich für die Technik nachgewiesen. Wenn wir schon graben, dann auch um Heizenergie zu gewinnen. Ziel ist es für das Zentrum einen nachhaltigen Nahwärmeverbund zu etablieren, betrieben durch die tb glarus. Angedacht ist die Nutzung der Grundwasserströme, aber auch der Wärmepotentiale des Wassers für Wärmepumpen. Man hätte auch Platz für den Einbau einer Schnitzelheizung, um heimisches Restholz zu verwerten. In jedem Fall wäre es ein guter Schritt in Richtung Ökologie und Unabhängigkeit.
Der notwendige Kamin könnte gestalterisch gut neben der Central Garage zu stehen kommen. Ein kleiner Gewerbebau mit Kamin vielleicht?
Bis 2024, so sagt die Nutzungsstrategie der Gemeinde, wollen wir den Zaunplatz fertig haben. Der erste Schritt wurde getan.

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Das Vorprojekt im Auftrag der IG Zaunplatz Tiefgarage liegt nun in den Händen der Gemeinde. Präsident der IG, Bernhard Fasser; Leitung Gruppe Bau, Rolf Kohler, Bernegger Elektro; Entwurf in Zusammenarbeit mit Runge AG Bauingenieure und Jürg Weber, Bauleitung von Hauser + Marti AG; Mitarbeit: Benedikt Profanter.
Grotte Beromünster
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- Kategorie: Gedachtes, Nicht Rangiert
« Brücke? Ein Damm, darin eine Wasserkapelle. »
Statt einer technischen Umfahrung, ein Landschaftsbau. Eine Grotte für Beromünster. Ein zu riskanter Wettbewerbsbeitrag
Ortsbauliche Qualitäten sind immer untrennbar mit landschaftsräumlichen Qualitäten verbunden. In einem Umfeld diesen Ranges wollten wir kein technisches Brückenbauwerk vorschlagen, so wie wir es anfänglich vor hatten, Wir wollten stattdessen das Risiko eingehen und etwas konträres tun: Wir nutzten die bestehenden landschaftlichen Eigenarten sowie die geringe Spannweite über das Bächlein Wyna. Wir nutzten die einmalige Chance, um an der Kulturlandschaft von Beromünster weiterzubauen.

Annäherung «Beromünster liegt in einer weiträumigen Geländesenkung auf den sanft geformten Anhöhen zwischen dem Baldegger- und Sempachersee.» Nicht nur im ISOS national beginnt die Beschreibung des Münsters von europäischer Strahlkraft mit der Kulturlandschaft. Auch in den Unterrichtsmaterialien zum ‘Kulturtag Beromünster – vaut le voyage’ der PHZ von 2007 wird der grossräumige Zusammenhang ebenso thematisiert. Skizzen daraus zeigen gut, dass der Raumbezug nie auf die Stiftskirche St. Michael und Kirche St. Stephan, den sogenannten Flecken,beschränkt bleiben darf, sondern immer den landschaftlichen Hintergrund einschliessen muss.

Der Flecken fällt zum heutigen Gemeindehaus hin. Der Horizont liegt über den Dächern. Neben dem Flecken, dem Gemeindehaus und der Kirche wird das Umland zum wichtigen Hintergrund. Beromünster lässt sich am besten von den umliegenden Anhöhen, zu Fuss erfahren. Bundesrat Couchepin sagte 2006 als Vorsteher des EDI, dass unsere Siedlungen und Landschaften zunehmend unter Druck geraten. Er sorge sich nicht nur um die Ortsgefüge, sondern auch um die umgebenden Landschaften. Genau hier liegt in der Tat der Schlüssel für Beromünster.


Weiterbauen Seit Jahrhunderten kultivieren die Münsteraner Senken und Böschungen in und um ihr Dorf. Wir schlagen eine grosse Erdschüttung vor, einen Verkehrswall. Die Strassen und Wege führen wir darauf unter einer baumbestanden Chaussee. Ein gänzlich begrünter, bepflanzter Damm also mit horizontale Bermen, die elegant mit den bestehenden Wiesen verwoben werden. Darin vergraben liegt eine grottenartige Ausspülung. Grosse, fast barocke Schwünge fassen und verbreitern die Wyna. Wir nennen das die 'Wasserkapelle'.
«Waldkathedrale, Wasserkapelle… Dies trifft ein Bedürfnis einer spezifischen Naturerfahrung unserer Zeit und spricht für die Qualität der jetzigen Erscheinungsform.» (Aus: Hörsch Waltraud: „Spaziergang“ – „Schlösslipark“ – „Waldkathedrale. Metamorphosen einer spätbarocken Alleeanlage. Recherchen rund um die Schlössliallee bei Beromünster, verfasst im Auftrag des Stiftes St. Michael Beromünster und der Denkmalpflege des Kantons Luzern, Juli 2004)
In den Empfehlungen des ISOS heisst es unter anderem: «Eine Verkehrsentlagerung des Hauptstrassenraumes, z. B. als gut in die Landschaft integrierte Nordumfahrung, würde die Attraktivität des Fleckens wesentlich steigern.» Daneben: «Die wenigen Umgebungsbereiche, welche als Grünkorridore noch bis an die Altbaugebiete grenzen, sind unbedingt unverbaut zu belassen: Die offen geführte Wyna sollte innerhalb, wie ausserhalb, der Bebauung keinesfalls eingedeckt oder begradigt werden.» Mit dem Erdwall wird die Verkehrsführung in der Senke der Dammkrone bestmöglich integriert.
Die Fahrzeuge liegen einen Meter tiefer und verschwinden darin visuell wie akustisch. Velofahrende und Fussgänger*innen nutzen dagegen die höhere Dammkrone. Der östliche Grünkorridor bleibt mit dem Wall weiterhin bis an die Grenzmauern des Friedhofes erhalten und die Wyna wird keineswegs als untergeordnetes Gewässer eingedeckelt, sondern renaturiert und in einer Art 'Nympheanum' stark in Szene gesetzt. Das Bächlein wird wenig gestaut und in der Wasserkappelle wildromantisch gestaltet. Kleine Treppchen lassen den Wasserlauf geräuschvoll im Grottenraum hallen. Das Wasser spiegelt sich an den Wänden und den Deckenbalken. Die gekrümmten Wände und Bohrpfähle werden vom Tageslicht von allen möglichen Schatttierungen und Texturen umspült. Die von Menschen gestaltete Natur nimmt hier neben dem Schlössliwald ein weiteres Mal fast sakrale Gestalt an. Die im Dorf noch kanalisierte Wyna wird jetzt als Bachlandschaft ins Wiesland geöffnet.
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Offener Ingenieurwettbewerb. Umfahrung Beromünster «Under Brugg», Ohne Rangierung. Projekleitung: Lando Rossmaier, mit Ingenieuren Dr. Uwe Teutsch von tragstatur sowie waltgalmarini AG, Beglinger + Bryan Landschaftsarchitekten, Besprechung des Wettbewerbes auf Espazium.
La Scalinata
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- Kategorie: Gebautes, In Planung
« Gartentreppe für 3 Häuser »
Wettbewerb Ersatzneubau am Bahnhof von Baden
annäherung Zwischen Stein und Lägeren, im Graben beginnend, geht es die 'Untere Halde' hoch durch die Altstadt, unter dem wundersamen Stadtturm hindurch auf den ‚Manorschlossbergplatz‘, die kaum gekrümmte Badstrasse hinaus, vorbei an der reformierten Kirche und am Kurhaus mit seinem eindrücklichen Umschwung, dann die steinerne Treppe hinunter, den grottenartigen Brunnen passierend zum Römer, in das Bäderquartier. Am Schluss liegt gegenüber, auf der anderen Seite der Limmat, die Goldene Wand.
Auf den Spaziergängen um das Bahnhofquartier und in Badens Altstadt spürte man Gegenden wie den Martinsberg oder Wettingen wenig, Ennetbadens Weite schon eher. Auf dem Weg, vom Stadttor auswärts, war vor allem die Atmosphäre des Kurortes spürbar, wenn auch nicht fest zu machen. Ein sommerlich, fröhlich wirkender Ort, irgendwie ganz leicht. Es war wohl vor allem der Geräusche wegen. Man glaubte eine in der Nähe liegende Badi zu hören oder sich bereits darin zu befinden. Ähnlich Sommerliches, Frisches und Lebendiges strahlt die Limmat auch an anderen Orten der Schweiz aus. Doch hier in Baden – manche nennen sie Wellness-Stadt - wirkte das Gefühl allgegenwärtiger. Kein Wunder, will man auch in dieser Limmatstadt frei im Fluss schwimmen können und nicht nur in den Thermen baden. Zürich ist nah, kulturell, aber auch dessen Wohnungsdruck strahlt bis hierher.
Heute ist die Badstrasse Einkaufs- und Feiermeile. Noch immer ist die recht lineare Verbindung zweier historischer Siedlungsteile und Pole offensichtlich. Den mondäneren Bäderteil prägen Hotels und Unterkünfte teils neobarocken Auftritts um den Kurplatz. Im malerischeren, dichten, teils gotischen Städtchen sitzen Verwaltung und Politik, eingebettet in etliche historische und kulturelle Stätten. Badens Eigenarten sind trotz mancher zeitgenössischer Grobheiten immer noch gut lesbar.
Die Stadtregion wirkt als Identifikationsort für ein Einzugsgebiet von fast 100‘000 Menschen. Es gilt also durchaus zu fragen, was denn die Differenz zu anderen Orten ausmacht, weshalb man gerne hierher kommt und welche Tonlage es anzuschlagen gilt – nicht zuletzt, um die wahrlich nicht unerheblichen Flächenansprüche einzuweben.

heterogen Die Kernstadt strahlt aus der Engstelle von Schloss Stein und Lägeren nordwärts. Unser Perimeter befindet sich im Bahnhofsquartier und gleichsam im Feld der Vorstadt, zwischen den Orten liegend. Wir sind im Übergang von mittelalterlich, pittoreskem Städtchen und eher barock, vielleicht schwülstig wirkender Bäderwelt. Die Gegend der Badstrasse wirkt heterogen, vielleicht auch etwas beliebig. In diesem Übergang wollen wir eine passende, robuste 'Promenadenmischung' vorschlagen, eine die vielseitig anzuknüpfen vermag. Wir suchen einen eher unbestimmteren und dennoch kräftigen Beitrag. Vor allem soll es ein freundliches, fröhliches Haus werden. Es soll offen wirken und dem, in der Auslobung beschriebenen, Klientel entsprechen. Ein warmer und wohnlicher Ort. Die Zugänge und das Treppenhaus sollen offen stehen. Wir denken an eine Freitreppe, die Garten und Haus verbindet, aber auch Wohnungen und Gasse sollen nah sein, deren Küchen an den Fassaden zu den belebten Gassen liegen.
Über die Freitreppe erreicht man keine ‚bel étage‘, sondern eine gemeinsame, begrünte Dachterrasse. An der Ecke liegt eine gemeinsame Waschküche kombiniert mit fahrbarer Inselküche und Stauraum. Hier lagern auch Grillwerkzeug und andere Utensilien. Auf Kellerräume verzichten wir. Die geräumigen Entrèes der Wohnung lassen genügend grosse, abtrennbare Reduits zu.
Die Badstrasse bietet nicht das Leben der Altstadt auch nicht deren Angebote. Das soll sie auch nicht. Grosszügige Ladenflächen kombiniert mit lebendig genutzten Wohn- und Aussenräumen, für bspw. ein Bistro im Hinterhof, ein Quartiersbeizli für Einheimische mit offenen Durchgängen und Blick in den Garten.
Wir denken, wer für sich, für die Badener baut, baut automatisch für Touristen1. Nie sollte es anders herum sein. So treffen Einheimische auf Besucher in authentischem Umfeld. Das Aufeinandertreffen von Unterschiedlichkeiten, auch in Massstab und Materialisierung verstehen wir als urbane, bereichernde Qualität.

ortsbau Die durchgehend traufständige, für diesen Ort typische Setzung schreiben wir fort. Farbige Traufkästen unterstreichen die Wirkung und fassen den Gassenquerschnitt nach oben. Wir mögen die von den Dächern nach oben verengten Räume. Auch die Brenntgasse weben wir derart weiter. Ein Plätzchen unter einem ausladendem Dach soll hier entstehen und etwas mehr Weite bieten. Schade wurde der Platz gegenüber von einem Lagerraum besetzt. Der Ort könnte weitaus besser sein und vom Charme eines Hinterhofes profitieren. Vielleicht entwickelt sich das noch.
Der Architekt wird verpflichtet, maximal zu nutzen, als hätte Raum an sich keine Existenzberechtigung, ... Die spezifisch räumlichen Motive wie Portikus, Piano Nobile, Arkade, Loge und Halle existieren nicht mehr, selbst im Treppenauge ist der Lift eingebaut...
Spitz fomuliert von Walter Zürcher zum Portikustrakt des Trudelhauses in ‚Badener Neujahrsblätter‘ Band (Jahr): 46 (1971)
Kernstück unserer Arbeit ist die an Bramantes Schnecke oder noch eher die an Scala del Bovolo angelehnte Treppe. Hier in Baden erschliesst sie keinen Palazzo, sondern verbindet mehrere Baukörper. Während man hoch geht wechselt der Blick stets zwischen konkaver Schale und der Weite des historischen Gartens bis hinüber zur eigenwilligen Villa an der Bahnhofstrasse 24, mit ihrem runden Söller, den dekorierten Pilastern. Den schönen Garten erhalten die Bewohner der Badstrasse sozusagen gratis. Wir wollen die Hinterseite nutzbar machen, dessen Bäume und den schönen Pavillon. Dahinter erspäht man sogar noch das Gleisfeld des Hauptbahnhofes. Es wäre vertane Chance an so einem Ort das Treppenhaus nach innen zu legen.
So wirkt die ovale Freitreppe aus Ortbeton weniger repräsentativ, als eher wie ein überdimensionales Rankgerüst. Topfpflanzen gestalten die Läufe wohnlich. Die kleinen, mittels Läden abtrennbaren Podeste nutzen wir als Logenplätze in die Abendsonne.


volumetrie Wir halten uns an die diversen Dienstbarkeiten. Gegenüber dem Marienheim bauen wir an die Grenze. Am Brenntweg tun wir das, um die engen Gassen für gastronomische Nutzungen aufzuweiten. Ein Wandbrunnen besetzt die übriggebliebene Ecke des Eingangshauses. An der Badstrasse gehen wir nicht auf die Baulinien, sondern auf die Fassadenfluchten der Nachbarn für eine kleine wohltuende Biegung.
Unser grösstes Volumen setzen wir im Norden, um den mächtigen Nachbarn auf der Gegenseite etwas anheim zu stellen. Der daraus entstandene Traufsprung wirkt lockernd. Der massive, durchgängig wirkende Sockel moderiert den Bruch wohltuend. So bleibt die Proportion angenehm bei etwa 2 zu 3. Die 1 zu 2 Dreiteilung der viel niedrigeren Nachbarn würde sich mit unserem notwendigen Massstabssprung nicht vertragen. Eine Proportion von 1 zu 4 wäre zu einseitig und schroff. Wir wollen uns einbetten, den muralen Gassenraum für Passanten erhalten und gleichzeitig den massiven Flächenanspruch nicht verneinen.
materialisieren Erklärtermassen schreiben wir die Rhythmik und Ordnung des ‚historischen‘ Bestandes fort. Das Gepräge aber bleibt auf den zweiten Blick zeitgenössisch. Die aus der Fassade ragenden, metallernen Läden erlauben verschiedene Öffnungszustände um Sonneneinstrahlung und Privatsphäre zu justieren. Ihre Lage vermeidet seitliche Einblicke aus der engen Strasse. In den Wohnungen sind Französische Fenster stets gratis Mini-Balkone mit Platz für Topfpflanzen, Kräuter und dergleichen.
Die Wohnung erscheint von innen maximal verglast. Von aussen wirken die Fenster mit ihren Seitenfeldern und Geländern immer noch mural wie ihre Nachbarn. Mit der Arretierbarkeit der Läden wird die Fassade lebendig erscheinen. Die Handwerklichkeit und Teilung der Öffnungen ist im Geiste nah an den üblichen Fenstern. Statt Fensterstöcken, die es heute technisch kaum mehr braucht, nutzen wir nun Setzhölzer, um die Läden daran zu befestigen.
So bleiben die Fenster reiche, möbelschreinerartige Öffnung mit mehreren, graduell veränderbaren Ebenen. Vom aussenliegenden Laden bis zum Vorhang innen. Hans Döllgast antwortete einmal in einem bemerkenswerten Interview auf die Frage vom ebenso bemerkenswerten Dieter Weiland, worum es denn bei Häusern ginge: „Fenster, Fenster, Fenster“. Wir denken ebenso.
Sockel und Traufe klammern wir nicht aus. In den hoch beanspruchten und für das Strassenbild wichtigen Teilen arbeiten wir mit Mauerwerk und ein paar wenigen Putzreliefs eher reduziert, ähnlich den dreigeschossigen baumeisterlichen Häusern. Nachdem der innenliegende Holzbau gestellt wurde folgt aussen verputztes Mauerwerk. Die Betonfassade der Treppe wird geschlämmt und deren Untersichten bekommen vermutlich Farbe. Erst in den oberen Wohngeschossen treten wir mit dem Holzbau sichtbar nach aussen, in eine sehr viel tektonischere und vertikalere Ordnung.
Wir nutzen Lisenen und Brettergesimse um die stehenden Schalungsbretter zu teilen. Am Brenntweg wollen wir der Stellung und der Nutzung entsprechend spartanischer bleiben. Wir stellen uns Leistenschalungen oder ähnlich Informelles vor. Nach oben werden wir luftiger. Uns gefiel der Wechsel, wie bei den Bildern der Altstadt, wenn der Sockel in hölzerne Riegelwände übergeht. In der Altstadt und Halde findet man etliche derartige Beispiele. Spärliche, aber wichtige Glanzpunkte bilden wir in den Brüstungsfeldern aus. Hier setzen wir keramische Elemente. Diese farbenfrohen Akzente nutzen wir nicht nur in den Putzvertiefungen, sondern auch an den Stahlstaketen. (vgl. Feilnerhaus)
Nebenbei: Wir interpretieren Palladios venezianisches Fenster als Gestaltungsmotiv. Statt Säule, Traverse und Oculi arbeiten wir mit Sturz und je zwei Setzhölzern. Daran montiert, ragen Fensterläden in den Gassenraum. Die Dreiteiligkeit übernimmt das Bild der üblichen Fenster und deren beidseitig liegenden Läden. Zugleich bleibt bei unserem Vorschlag die Fassade nicht flach, sondern erzeugt auf einfach Weise Tiefenwirkung. Ähnlich gedachte Fenster kennen wir aus der Altstadt.
Den Zugang, den wir über die Stimmung zu finden versuchen, führte uns, ohne es zu wissen bei Treppe und Fenster zu venezianischen Motiven. Wir wollen das nicht in den Vordergrund stellen und nur als Randnotiz verstehen, aber vielleicht ist dieses Bonmot, doch Hinweis darauf, dass wir unseren Vorschlag in Baden auf eine, in besondere Weise mit dem Wasser verbundene Stadt, sehen, ohne das gesucht zu haben. So haben wir die Stimmung für unseren neuen, dem Stadtturm vorgelagerten Eingang in das Zentrum von Baden, vermutlich doch gut getroffen.


arbeits- und wohntypologie Alle Wohnungen und Retailflächen docken am aussenliegenden Treppenhaus und damit am Garten an. Die Retailflächen sind grösstmöglich flexible Räume mit wenigen Stützen. Bei den Wohnungen nutzen wir die Garderobe für übertiefe Einbaumöbel mit geräumigen Stauflächen. Sie bilden den geometrischen Übergang, von Oval zu orthogonalem Wohnungsgrundriss.
Die Essküche verstehen wir als vielseitiges, in vielerlei Richtungen schaltbares Zimmer. Sämtliche Fensterflügel sind öffenbar und die Läden in verschiedenen Winkeln über eine Lochleiste arretierbar. Mit einer schallabsorbierenden Holzleisten-Decke dämpfen wir den Schall aus den Gassen. Wie beim Loggia Prinzip kann so dem Lärm der wochenendlichen Feiermeile in Wohn- und Schlafzimmer begegnet werden. So lüften wir über die Küche. Mit dem offenen Treppenraum können wir in den heissen Sommermonaten quer, die Nacht hindurch kühlen.
Die Küche ist ein dem Leben der Gasse zugewandtes Zimmer. Zwar ist der Raum innerhalb des Dämmperimeters, aber in der Wirkung einer Loggia nicht unähnlich. Schiebewände lassen die Küche vom Wohnen trennen. Mit der angrenzenden zweiteiligen Tür kann man verschiedene räumliche und akustische Zuordnungen sowie Lüftungsmöglichkeiten einstellen. Die Zimmer sind grosszügig verglast und hell, obwohl dies aus der engen Gasse kaum auffällt. Die lichte Höhe von 2.60m kompensiert die Sparsamkeit der Flächen. Die Wohnung besitzt trotz ihrer Kleinheit Atem, erlaubt den Blick in den Treppenraum und zum grossen Teil bis in den Garten.
innere und äussere erschliessung Erschlossen werden die Läden mittels dreier Zugänge von der Strasse. Die Freitreppe erreicht man über eine Passage von der Badstrasse aus. Die Entsorgung erfolgt über die schmale abschliessbare, südliche Gasse mit einem Zwischenlager.Die Unter- und Obergeschosse der Gewerbeflächen können sowohl mittels kleiner Treppen über die Läden intern erfolgen, als auch über offene Treppenhaus, das im Untergschoss als Laterne die Flächen mit Tageslicht versorgt.
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Projektwettbewerb im Einladungsverfahren, 1. Preis, Projektleitung: Beneditk Profanter, mit Ingenieur Thomas Rimer von Pirmin Jung Schweiz AG für die Pensionskasse SBB, Planungsbeginn Frühjahr 2022, Weiteres zum Haus Besançon auf Hochparterre. 1 Eine Erkenntis, die ich dem Büdner Kollegen Gordian Blumenthal verdanke
Krematorium Zürich
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- Kategorie: Gebautes, Realisiert
« Weg, Stationen »
Erneuerung des Krematoriums Nordheim in Zürich. Ofenhallen und Korridore, vonder Abdankung bis zum Ofen.
Die Bestattung verstorbener Menschen im Feuer ist uralt. Die Stadt Zürich kennt eine lange Kremationstradition. Das erste Krematorium in der Schweiz wurde am 1889 im damaligen «Centralfriedhof», nach den Plänen von Stadtbaumeister Geiser, erbaut. 1915 folgte ein neues Krematorium im Friedhof Sihlfeld nach den Plänen von Albert Fröhlich. Einen spürbaren Anstieg erfuhr die Kremation, als die römisch-katholische Kirche die Kremation in den 60er Jahren auch für Katholiken duldete. Auf Grund dieser Neuerung und dem Wachstum der Stadt Zürich wurde ein drittes und vorläufig letztes Krematorium hinter dem Bucheggplatz am Waldrand des Käferberges eröffnet. Die in der Topographie schön eingearbeitete Anlage stammt vom Architekten Prof. A.H. Steiner, damaligem Stadtbaumeister in Zürich.
Aktuell lassen sich rund 88% aller Verstorbenen der städtischen Bevölkerung kremieren. Rund 7‘000 Kremationen werden pro Jahr im Nordheim vorgenommen, wovon 250 Kisten Humanteile aus Spitälern anfallen. Zur Verfügung stehen 7 Öfen mit 7 Filteranlagen. Neben der städtischen Bevölkerung ist das Nordheim für mehr als 60 Gemeinden die erste Adresse für Kremationen. Die leichte Überkapazität der Anzahl Ofenlinien lässt sich mit der überregionalen Bedeutung erklären. Das Krematorium Nordheim beherbergt für Katastrophenfälle im Grossraum Zürich (bis nach Süddeutschland) diverse Untersuchungsräume für Rechtsmedizin und Polizeibehörden. Auch das DVI-Team des Bundes nutzt die Anlage regelmässig. In Extremsituationen müssen gleichzeitig alle Ofenlinien auf Volllast gefahren werden. Das Nordheim hat sich schon mehrere Male bei Katastrophen bewährt (Luxor, Unfälle Forchautobahn, Crossair, Absturz Tante JU-52).

In der Zürcher Kremationsgeschichte wird offensichtlich wie sich Rituale des Abschieds verändern. Fanden anfangs Kremation und Abdankung noch im selben Raum statt, verlagerte sich der Kremationsvorgang weg vom Katafalk in technisch gehaltene, unterirdische Gänge. Besucher waren hier unten nicht vorgesehen. Doch die Ansprüche und Bedürfnisse änderten sich in den letzten Jahren. Hinterbliebene, nicht nur hinduistischer Glaubensrichtungen, möchten vermehrt die Verstorbenen bis zum Kremationsofen begleiten und sich erst dort, ganz am Ende vor dem Ofen verabschieden. Daher waren die kellerartig anmutenden Räume angemessen umzugestalten. Mit der dringenden Sanierung der Ofentechnik bot sich die Chance, trotz der hohen Komplexität der technischen und denkmalpflegerischen Anforderungen, den Weg der Trauernden und der Verstorbenen, deren Stationen, zwischen den ursprünglichen Räumen der Abdankung bis hin zur Ofenhalle neu und pietätvoll umzustimmen.
Grundlage waren unter anderem die ursprünglichen Materialien der eindrucksvollen Kapellen im Hof und die des Ofenraumes. Klinkerböden, Muschelkalkwände, schwarzer Stahl und Kupferteile. Das verwendeten wir wieder bei den verschiedenen Emfangs- und Vorbereitungsstationen. Sämtliche Holzleisten an den Wänden wurden aus den Gängen verbannt. Nur die Särge sollten noch als letzte brennbare Elemente bestehen bleiben dürfen. Die unpassenden Holzleisten ersetzten wir mit Linien aus Bodenziegelen, so dass die Fahrgestelle der Särge nicht mehr die Wände mit Striemen überzogen. Manche Wände belegten wir vorschflächig und für starke Kontraste nutzten wir ein kulturhistorisch, bedeutsamen Pigment: 'Caput Mortuum'. Seine Wirkung erinnert an geronnenes Blut. Hinter den Öfen wirken die mehrfach lasierten Farbschichten dunkelviolett, etwas unwirklich, als wäre der Weg hier noch nicht zu Ende.
Davor strahlen die Ofenverkleidungen entrückt weiss. Eigens entworfene Leuchten markieren einen Lichtkreis um den jeweilgen Sarg. Wir entwickelten sie aus Alvar Aaltos Design, da Steiner damit bereits in den Kapellen arbeitete. Er entlehnte etliche Elemnte aus der skandinavischen und japanischen Welt. In seiner Sprache, arbeiteten wir sanft eklektisch und mitunter sachlich weiter.

Die Eingriffe sind nicht nur in der Farb- und Materialwahl, sondern auch räumlich kräftig sowie entschieden. Wir schnitten die Betonzungen über dem unteren Ofenraum heraus. Zwar wird dadurch die Einzelstellung jeder Ofenlinie etwas geschmälert, aber die Arbeitsbedinungen verbessern sich sehr. Die Halle bekam etwas Atem. Endlich fällt Licht auf die Arbeitsflächen des einst sehr dunklen Untergeschosses. Die früheren Steuerpulte darauf wurdennun entfernt bzw. eingelagert. Neu werden die Anlagen über die Leitstelle am Ende der Ofenräume gesteuert. Die zusätzlich nötig gewordenen lufttechnischen Geräte wurden hinter Gitter und Verkleidungen verstaut. An den Decken gab es die Möglichkeit nicht. Wir hielten es auch nicht für zwingend. Die Kanäle setzten wir mit markanten Fugen ab. Wer weiss, wann sie bereits wieder zu erneuern sind.
Der Raum wirkt wie ein oszillierendes Kippbild.
Ein Wechsel aus Logistikzentrum und Kapelle.



Die über 50-jährigen Elektro-Einäscherungsanlagen des Krematoriums Nordheim wurden immer wieder teilweise renoviert. Dies führte dazu, dass die Anlage aus diversen kleineren Einheiten bestand, die untereinander nicht mehr richtig funktionierten. Die Anlage war schwierig zu unterhalten. Teilweise waren keine Ersatzteile mehr zu beschaffen. Ziel ist war es, die Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik als Ganzes auf einen aktuellen, den heutigen Normen und Standards entsprechenden Stand zu bringen.


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Für das Hochbauamt der Stadt Zürich wurden Korridor und Ofenhallen, vornehmlich die Untergeschosse des Krematoriums Nordheim saniert und umgebaut. Begonnen wurde der Entwurf von Nicola Losinger. Wir entwickelten das Projekt weiter und stellten es fertig. Projektleitung Fabian Bisig; Bitech AG, Elektroingenieur; ahochn AG, HLKS-Ingenieure, Planung Heizung und Kälte; BIQS Brandschutzingenieure AG; ahochn AG, HLKS-Ingenieure, Gesamtleitung; Güntensperger Baumanagement AG, Gesamt- und Bauleitung; Alfacel AG, Gebäudeautomation; Schnetzer Puskas, Bauingenieur; Assco AG; Ingenieur für Ofen- / Nebenanlagen und Fachkoordination; Rocket Science AG, Akustik; Wichser Akustik + Bauphysik AG; Farbberatung: Beat Soller, Max Schweizer AG, Mati Lichtgestaltung, Die Photos stammen von Rasmus Norlander
Krone Nidfurn
- Details
- Kategorie: Gedachtes, On Hold
« Kronähälleli »
Tragstruktur und Wände zueinander versetzt. Übergangsräume, Nischen, Unschärfen.
Der Weiler Nidfurn leerte sich über die letzten Jahre. Etliche Häuser wurden schlecht unterhalten. Man zog in neue Überbauungen und Zentren wie Schwanden. Hauptsächlich liegt es am hohen Verkehrsaufkommen und dem Lärm. Doch der Ort sollte trotz Immissionen nicht so schnell aufgeben, sondern neu und zeitgemäss belebt werden. Dazu erarbeiteten wir ein paar skizzenhafte Überlegungen. Auch wenn die Bilder und Grundrisse mancherorts unfertig und holprig wirken, ging es darum Stossrichtungen aufzuzeigen und mit der Bewohnerschaft aus Nidfurn ins Gespräch zu kommen.
Wir öffnente die mitlerweile geschlossene Beiz für ein paar Abende und standen selbst hinter dem Tresen. An manchen Abenden besuchten uns die Harmoniemusik oder eine Jazz-Kombo.

Entstehen sollten altersgerechte, rollstuhlgängige Wohnungen. Dass sie baubiologisch mit möglichst wenig Grauenergie erstellt würden, versteht sich von selbst. Die Aussenwände aus massivem Mauerwerk, Fenster aus Lärchenholz, einfachste Trag- und Technikstrukturen sind die Mittel dazu. Daraus ergeben sich luftige Wohnungsgrundrisse mit Komfort, wie es sie sonst im Glarnerland kaum zu finden gibt. Im Hinterhaus werden sparsame 3.5 Zimmer Wohnungen vorgesehen. Sie fangen die Nachmittags- und Abendsonne ein und profitieren von der lärmgeschützten Lage der Rückseite. Die Aussicht ist auch hier eindrücklich. Man sieht zwischen den Hängen unter Braunwald bis auf die andere Seite in Richtung Glärnischmassiv.
Die Stellplätze liegen an der rückwärtigen Strasse von einer leichten Dachkonstruktion gedeckt. Auf eine Tiefgarage wollten wir verzichten und die Gemeinde dazu animieren hier beispielhaft gemeinschaftliche Parkflächen anzubieten. Es macht wenig Sinn für jedes Haus eigene Tiefgaragen zu bauen. Der Boden sollte durchlässig bleiben. guten Grund für grössere Pflanzen bieten und das Ortsbild nicht mit zu vielen Einfahrten beeinträchtigen. Entdeckt haben wir mit dem Projekt die Kraft von getrennter Wand- und Tragstruktur. Damit entstehen gut möblierbare Übergangszonen und Raumtaschen. In anderen Projekten konnten wir diesen Ansatz weiter entwickeln und reifen lassen.
Auf ca. 140 qm kann der Wohnbereich diagonal oder direkt durch das Haus, von Strasse bis zur Rückseite möbliert werden. Oder, man nutzt nur die Rückseite und schläft nach vorne hin. Der Grundriss lässt etliche Anordnungen zu, ähnlich den grossbürgelichen Villentypen im Glarnerland.
Holzstützen fangen die Lasten des Daches unter der Decken ab. Sie stecken die Mitte des Grundrisses als besonderen Raum aus. Wir denken an Perret oder die Villa Rotonda. Hier atmet die Wohnung, hier zeigt sie ihre Grösse und die allseitigen Blickbezüge. Alle Räume sind gut belichtet und belüftet, auch die Bäder. Sie liegen mit Fenstern an den Fassaden und halten den Grundriss durchlässig.
In der Hauptfassade versuchetne wir eine 3 2 Ordnung aufzubauen. Ohne Gesimse sondern nur mit dem Formatsprung der Fenster. Oben wechseln die Öffnungen auf handwerkliche, fast möbelartige Fenster mit Läden und teils verspringenden Fensterbenenen. Wichtig war die strenge Wiederholung mitels leichter Abweichungen zu beleben. So bleibt der Ausdruck in der Schwebe, unendeutig zwischen Herrenhaus und vielleicht bäuerlichem Haus. Natürlich gälte es dies weiterzuentwickeln. Das Projekt wurde aber leider nicht weitergeführt und das Haus verkauft.
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Skizzenprojekt. Direkter Auftrag. Projekleitung: Benedikt Profanter, mit Ingenieuren der Runge AG, Das Projekt wird leider nicht ausgeführt..
Anna Göldi Museum
- Details
- Kategorie: Gebautes, Realisiert
« Der Himmer über uns, tut manchmal so, als wären wir hier alle gleich.
Sind wir aber nicht. » Margrit Sengebusch, Dramaturgin
Die Anna-Göldi-Stiftung übernahm im Sommer 2017 den Hänggiturm in Ennenda von der aufgelösten Hänggiturm Stiftung. Seither führt sie im Dachstock des Trockenturms das Anna-Göldi-Museum mit grossem Erfolg. Der lange Zeit ungenutzte Dachraum konnte einer sinnstiftenden Nutzung zugeführt werden. Der eindrückliche und stimmungsvolle Raum stellte sich als geradezu ideal für das Museumskonzept dar.

So vorteilhaft die eindrücklichen Räumlichkeiten wirken, so nachteilig wurden sie von den Betreibern empfunden. Der Hänggiturm wurde 1993 mit einer einfachen Bretterschalung an der Fassade, sowie mit einfach verglasten Fenstern wiederaufgebaut. Der hölzerne Aufbau war bis anhin weder an der Fassade noch am Dach isoliert. Die Schalung war teils luftdurchlässig. So waren Aussen- und Innentemperatur identisch. In den Wintermonaten, von November bis März blieb das Museum geschlossen. Nun sollte der Raum klimatisch ertüchtig werden, um die Nutzung in die Übergangsmonate auszudehnen.

Erarbeitet wurden zweierlei Konzepte. Mittels minimaler Dämmschichten auf Dach- und Fassadenhaut würde die Aussenwirkung erhalten bleiben und die Temperaturwechsel milder. Für Veranstaltungen würden katalytische Heizstrahler eingesetzt. Ansonsten bliebe der Dachraum unbeheizt. Mit dem Eingriff verlöre der Luftraum aber auch seine ganz besonderen ursprünglichen atmosphärischen Qualitäten. Der Luftraum würde mehr zu einem gedämmten Dachraum. Uns gefiel aber der unterschwellige Verweis auf das besondere Schicksal einer Magd, auf Luftwesen wie Hexen. Der dunkle Dachstock und die Ausgesetztheit verstärkten das mit Textilien arrangierte Ausstellungskonzept. Wenn auch das Museum in den kälteren Monaten nur in warme Jacken gehüllt nutzbar wäre, so stellt der Dachraum ein Unikum in der Museumslandschaft dar. Daran wollten wir weiterarbeiten. Eine Dämmung war für uns zwar eine mögliche, konventionelle, aber für das Haus nicht die beste Lösung.


Daher gab es eine zweite Variante mit einem Raum im Raum Prinzip. Wir schlugen einen kleinen 'Tempel' aus Stoffwänden vor, die mit Lammwolle gefüllt wären. Mittels Seilwinden könnten die textilen Wände in den Dachraum gezogen werden. So wäre die Fläche darunter frei. Im geschlossenen Zustand wäre der Raum für eine Kinovorführung nutzbar und gut beheiz- bzw. belüftbar. Die Kosten dafür prognostizierten wir sehr viel tiefer als für eine umfassende Dämmung aller Aussenflächen. Wir strebten eine besondere, dennoch sparsame Lösung an.
Als, für beide Varianten, gültige Ergänzung zeigten wir auf, wie man den Ausstellungsraum mittels einer Passarelle vom Comptoire erreichen könnte. Mit einem Treppenhaus wären zwei Museen erschlossen. Sicher wäre der Zugang ein angemessenerer als heute. Die aktuelle Innentreppe führt an Wohungs- und Waschküchentüren vorbei. Nebenbei würde die Entfluchtung verbessert.
Mit unseren, zugegebenermassen unkonventionellen Vorstellungen gingen wir für die Ansprüche der Bauherrschaft zu weit und konnten leider nicht überzeugen. Die Komfortansprüche wiegten schwerer. Heute ist der Hänggiturm gedämmt.
Geschichte Hinter dem Hänggiturm in Ennenda verbirgt sich eine besondere Geschichte, die mit der Erbauung im Jahre 1865 beginnt. Ursprünglich geplant wurde das Bauwerk von dem Glarner Architekten Hilarius Knobel, als kombiniertes Fabrikations- und Lüftungshängegebäude zum Trocknen von bedruckten Tüchern. Als die Textilindustrie nach und nach aus dem Kanton verschwand, wurde auch der Hänggiturm nicht mehr benötigt und sollte Mitte der achtziger Jahre einem Ausbauprojekt der Grundbesitzer (Forbo Alpina) weichen. Jedoch setzte sich der Glarner Heimatschutz für die Rettung ein und erklärte das Bauwerk als schutzswürdig.
Nach dieser Intervention des Heimatschutzes und Gründung einer Stiftung zur Erhaltung des Hänggiturmes wurde der Holzteil im Jahre 1985 sorgfältig abgetragen. 1992 wurde das Bauwerk durch Beiträge vom Heimatschutz sowie privaten Sponsoren auf dem zur Verfügung gestellten Industrieensemble des Unternehmens Daniell Jenni & Co. wieder aufgebaut. Der neue Standort brachte zugleich auch eine neue Funktion mit sich. Der Hänggiturm beherbergte von nun an das Museum für die Schweizer Ingenieurbaukunst welches 14 Jahre lang, bis 2008, dort den grosszügigen Ausstellungsraum nutze. Schliesslich fand das Anna Göld Museum, welches sich bis 2015 in Mollis befand, im Hänggiturm ein neues Zuhause. Im Sommer 2016 fand die feierliche Eröffnung des Museums im neuen Standort Ennenda statt, wo die Anna Göldi Stiftung seither nicht nur das Museum leitet, sondern auch Veranstaltungen sowie Vortragsabende organisiert.

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Studie und Bauprojekt von Lando Rossmaier Architekten mit BWS Bauphysik AG, Projektleitung Benedikt Profanter, Umgesetzt wurde leider die Variante 'Dämmung', für die wir uns nicht gewinnen lassen konnten. Das Bewilligungsverfahren und die Ausführung traten wir daher einvernehmlich an ein anderes Planungsbüro ab.




































