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Schützen
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Restaurant / Landgasthof mit darüberliegenden Wohnungen, Schopf und Gartenwirtschaft
Zur Info vorab: Das Projekt Schützen wurde der Korporationsversammlung erneut zur Abstimmung vorgelegt, nachdem es wegen verschiedener Kritikpunkte zurückgewiesen worden war. Das Haus wird – mit einem Stock weniger – viel niedriger und mit etwas mehr Breite weniger markant. Gasträume und Küche sind nun auf Bodenniveau. Die Anlieferung und Vorbereitung liegen, ebenfalls bodeneben, im Untergeschoss, auf Höhe des Tennisclubs. Wir hoffen allen wichtigen Anliegen der Bürgerinnen und Bürger entsprochen zu haben, schliesslich wird dieses Haus, dieser Gasthof für Sie gebaut werden. Den Baubeschrieb, der aktuell zur Baueingabe gereiften Pläne, lesen sie im Folgenden, daneben gibt es zum Dowload hochaufgelöstes Bildmaterial:
ORTSBAU – LANDSCHAFT
Der Schützen liegt ausserhalb von Unterägeri im flachen Weidland, im Oberboden. Der Gasthof ist von diversen Freizeitanlagen wie Tennisplätzen, einer Rämselbahn, Langlaufloipen, und den beiden, etwas entfernter liegenden Anlagen der Gewehr- und Armbrustschützen umgeben. Das neue Gasthaus soll Zentrum der Anlage werden und zukünftig einmal so wirken, als stünde es schon lange ihier, länger als seine Nachbarn. Anstelle des Strassenverlaufs prägt daher der Geländeverlauf die Setzung der Baute. Der Gasthof wird nicht ein Beliebiger unter vielen anderen sein, sondern ein für Unterägeri charakteristischer Eingang und Markierung des anschliessenden, wunderbaren Landschaftsraumes. Er soll Ausgangs- und Rückkehrort für Wandernde, Hündeler:innen, Biker:innen sein – offen für Alle.


Das kompakte Volumen des Punktbaus beansprucht, wie eh und je, einen kleinstmöglichen Fussabdruck. Er versiegelt die Landschaft nur minimal. Hauptrolle spielt die Kulturlandschaft. Damit gelingt es auch, die auffälligen Flutlichter und Sendemasten zu relativieren und visuell in den Hintergrund zu drängen. Die prägenden Wesensmerkmale sollen wieder das umliegende Weidland, der eingewachsene Bach, die nahen Moore und baumbestandenen Hänge bilden.
Der Kleinbau der Swisscom bildet zusammen mit dem Restaurant, Clubhaus und neuen Trafo, trotz etlicher Verschiedenheiten, ein mögliches Ensemble. Im Süden, von der Strasse her kommend, entsteht ein Eingang. Rund um das Haus sind Freiräume und Sitzgelegenheiten der Gastronomie verteilt. Die mit dem Neubau grosszügier bemessenen Sitzflächen profitieren draussen bis in die Abendstunden vom Sonnenschein. Im Norden gibt es keinen 'Hinterhof' mehr. In einer ‘Tennislounge’ kann das Geschehen auf den Sandplätzen aus erhöhter Position verfolgt werden. Ein neuer Weg verbindet Clubhaus und Tennisplätze und weist in den Naturraum der Rämsel. Während sich grössere Kinder vielleicht entlang des Bachs aufhalten, finden sich für die Kleineren im Westen der Parzelle verschiedene Spielgeräte in Elternnähe. Der Spielplatz ist passend zum Ort mit natürlichen Materialien ausgestattet: Holz, Findlinge und Seile. Neben dem Spielplatz bildet eine Buvette, welche in wärmeren Monaten bei Bedarf als Aussenbar und im Winter als Lager für das Mobiliar dient, den Abschluss des Gartenrestaurants. Östlich des Neubaus bieten sich hübsche Sitzgelegenheiten um einen Brunnen. Es hat Platz für einen zukünftigen Kräutergarten der Küche.
VOLUMETRIE – PUNKTBAU
Die Volumetrie als Punktbau ermöglicht nahezu ein Rundumpanorama. Ein Haus ohne Rücken. Es wirkt allseitig offen, öffentlich und einladend. Für Halb-, Turnschuhe und schwere Stiefel. Die Firste orientieren sich gleich wie die Walmdächer der Schützenhäuser. Die Baute liegt so im Geländeverlauf rechtwinklig zu den Höhenlinien. Damit entstehen zu den in rigider Ost-West Richtung angeordneten Tennisplätzen nicht parallele, sondern offen wirkende Raumgefüge und L-förmige Nischen. Unter dem grossen, von Weitem sichtbaren Dach vermutet man Schutz. Das Haus scheint neu und vertraut. Vielleicht auch wie eine riesige, einladende Laterne.
Im Untergeschoss befinden sich die Technik- und Lagerräume, WC- und Garderobenanlagen, die Entsorgung sowie die Vorbereitungsküche der Gastronomie. Im Gastraum im Erdgeschoss lässt sich bei Bedarf ein Säli abtrennen. Die zentrale Theke gewährleistet bei wenigen Gästen einen personalarmen Betrieb. Über einen kurzen Verbindungsgang gelangt man in die Produktionsküche. Das Angebot kann mittels Buvette, also einer Sommerbar, Aussenschankstelle oder dergleichen, ergänzt werden.
Über der Gastronomie liegen in jedem Geschoss zwei dreiseitig orientierte und dadurch sehr helle Wohnungen. Die beheizte Wohnfläche reduziert sich, je weiter oben die Wohnung liegt. Dafür werden die Aussenräume umso grösser. Die Balkone erinnern an die horizontalen Linien historischer Klebdächer. Im Zentrum der Geschosse liegen die Wohnräume. Die Schlafzimmer liegen an den Fassaden und können so auch weniger stark geheizt werden. Erschlossen werden die Wohnungen durch den Hof neben dem Clubhaus. Dort liegen auch die überdachten Autostellplätze, Reduits sowie ein Veloraum.



KONSTRUKTION – MATERIAL
Das massive Untergeschoss ragt als Sockel nur minimal aus dem Boden und wird vom ausladenden Terrassen-Plateau weitgehend kaschiert. Darüber liegt der Holzbau in erhabener Position. Ähnlich wie bei der biepsielhaften Rotonda von Palladio wirkt das Restaurant als nach allen Seiten geöffnetes Inneres. Die verglasten Wände um die Gasträume werden aussen mit einem Holzgeflecht versehen. Das öffentliche Erdgeschoss erinnert an eine Laube im Garten, sie hat etwas Vermittelndes zwischen innen und aussen. Der Gast fühlt sich so weniger ausgestellt und dennoch ist das warm strahlende Restaurant bei Dunkelheit von Weitem sichtbar.
Die statische Struktur tritt innen und aussen in Erscheinung. Augenfällig ist dies bei den sichtbaren Balkenlagen sowie den klar strukturierten Aussenwänden. Das steile, schützende Dach und die umlaufenden Balkone lösen mit ihren Vorsprüngen den konstruktiven Holzschutz.
Die Mittelwand zwischen den Wohnungen im 1. Obergeschoss ermöglicht als tragender Überzug stützenfreie Gastronomie-Räume. Die Unterzüge der Primärstruktur verlaufen sichtbar in Ost-West Richtung und orientieren sich am Raster des Grundrisses. Dadurch entstehen moderate Spannweiten für die sekundäre Deckenkonstruktion, welche durch eine Balken-Rippendecke (REI 60) mit Schüttung gebildet wird und so dem Brandschutz sowie dem Schallschutz Rechnung trägt.
Der massive, betonierte Erschliessungskern löst neben der sicheren Entfluchtung auch die vertikale Gebäudeaussteifung. Die Aussenwände sind als einfache, vorgefertigte Rahmenbauwände konzipiert. Die sichtbaren Holzoberflächen tragen zu einer wohnlichen Atmosphäre bei. Eine gute Raumakustik und Behaglichkeit sind gewährleistet.
Als Baumaterial sollen vor allem Holz, Mondholz und Stein aus der Region, wenn möglich aus dem Ägerital, verwendet werden. Somit bleiben die Transportwege kurz und die Wertschöpfung lokal. Unterägeri kennt noch heute das traditionelle Reisten der Nadelholzstämme. Grundsätzlich soll eher Schnitt- statt Leimholz verbaut werden. Auf Folien wird nach Möglichkeit verzichtet. Kies und Sand für Beton und Verputz könnten aus den Kieswerken in Menzingen oder Neuheim stammen. Die rötliche Färbung soll nach Möglichkeit durch einen Verrucano-Zuschlag erreicht werden.
Ziel ist es, ein sehr robustes, langlebiges Haus zu bauen, das auch in über hundert Jahren noch Freude machen wird und kaum Unterhalt bedarf. Mit einer hochwertigen Bauweise und einfacher Konstruktion aus regionalen, natürlichen Materialien wird es wunderschön altern und über das Ägerital hinaus als einladendes Haus Vorzeigecharakter haben.



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Studienauftrag im Einladungsverfahren, Ersatzneubau Landgasthof mit Wohnungen. Wettbewerb: Benedikt Profanter; Projektleitung Architektur Vanessa Beer; Holzbauingenieur Peter Makiol / Stefan Schlegel, Makiol Wiederkehr AG; Bauleitung Dani Widmer / André Altmann, Widmer | Partner Baurealisation AG, Bauingenieur René Hantzsch, Moos Bauingenieure AG; Elektroingenieur Thomas Freimann, Freimann Smart Building GmbH; HLS Planung inkl. Fachkoordination Reto Scherer, H5 Haustechnik AG; Bauphysik Peter Gisel, RSP Bauphysik AG; Brandschutz Ruedi Hauenstein, Makiol Wiederkehr AG; Landschaftsarchitekten Iris Tijssen, Atelier tp Landschaftsarchitekten; Gastroplaner Roland Alig, Alig Grossküchen ag;
Im Dorf Kaltbrunn
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« unscharf »
Kann man einen Dorfteil mit 100 Wohnungen entwerfen, noch dazu, wenn der Ort bereits am Kippunkt zur Agglomeration steht?
Architektur und Einpassung ars et natura. Kupferstiche und historische Aufnahmen aus dem Flugzeug zeigen schmale, teils hochrechteckig stehende Giebel und tiefliegende lange Bauten, die eine von Obstbäumen bestandene Landschaft durchsetzten. Die Dächer waren ruhig und gerichtet. Auch gab es gab kaum Gauben, keine Dachfenster oder Dacheinschnitte. Diese in den Bildern gezeigte Ruhe ist es was wir suchen.
Architecture and integration ars et natura. Copper etchings and historical photographs taken from the air show narrow gables, some of them high rectangular, and low-lying long buildings interspersed with a landscape of orchard trees. The roofs were quiet and aligned. There were also hardly any dormers, skylights or roof openings. This calmness shown in the pictures is what we are looking for.
« Zum Dorfleben von früher können wir nicht mehr zurück, so sehr wir uns das vielleicht wünschen, zur Stadt kann Kaltbrunn( glücklicherweise ) nie werden und zur Agglomeration darf der Gaster nicht verkommen. »
Kipppunkt Kaltbrunn. Frei nach einer Aussage von Angelus Eisinger zur Grossteiler Ebene und Sarnen.
We cannot go back to the village life of the past, as much as we might wish to, Kaltbrunn can (fortunately) never become a town and the Gaster must not decline into an urban sprawl.
«Die Menschen aus Kaltbrunn sagten uns, dass sie ihre Landschaft lieben.» (Frei nach Peter Märkli in Glarus Nord) Darum stellen wir das landläufige Verhältnis von Figur und Grund in Frage. Wir gehen weniger vom Haus, sondern eher von der Landschaft aus. Statt Baukörper mit zwischenliegenden Frei- oder Resträumen zu setzen, wollen wir mit Freiräumen beginnen und daraus ‚Restbauten‘ ableiten. ‚Dorf‘ meint für uns keine unwiederbringliche Gesellschaftsform, sondern eine immer noch gültige Verwebung von Bau und 'Natur'. Trotz veränderter Produktionsbedingungen und monofunktioneller Raumprogramme vertrauen wir weiterhin an das kraftvolle Ineinanderarbeiten von Bau und Landschaft. Das ist seit jeher Ausdruck von Differenz und Identität. Beides zusammen als Ganzes sehen, das ist die Grundlage unseres Beitrags.
"The people from Kaltbrunn told us that they love their landscape." ( Freely adapted from Peter Märkli in Glarus Nord) That is why we question the common relationship between figure and ground. We start less from the house and more from the landscape. Instead of placing buildings with open or leftover spaces in between, we want to start with open spaces and derive 'residual buildings' from them. For us, 'village' does not mean an irretrievable social form, but a still valid interweaving of building and nature. Despite changed production conditions and monofunctional spatial programmes, we continue to trust in the potent interworking of building and landscape. This has always been an expression of difference and identity. Seeing both together as a whole, that is the essence of our contribution.

Serie und Varianz Ausgangspunkt bilden die L und U-förmigen Nischen und Ausweitungen der Erschliessungen im Dorfkern wie sie die Skizze zum Strassenraum zeigt. Sanft schieben sich Giebel in die Sichtachsen und formen gestufte Raumfolgen. Die Raumkanten werden 'unscharf'. Unsere versetzten Giebel orientieren wir hangwärts, in Richtung Gaster. Hauptbau, Nebenhaus und Garten bilden unsere Palette. Das sanft fallende Terrain und der stumpf gereihte Siedlungskörper veranlassen uns kaum zu ortsbauliche Reaktionen. Wir befinden uns mit anderen auf dem Feld.
Series and Variation The starting point is the L- and U-shaped niches and extensions of the accesses in the village centre as shown in the sketch of the street space. Gables gently slide into the visual axes and form layered spatial sequences. Our stepped gables are oriented towards the downhill slope, in the direction of Gaster. The main building, annexe and garden form our palette. The gently sloping terrain and the bluntly arranged settlement hardly induce us to react in terms of site planning. We are in the field with others.

Daher beginnen wir mit seriellen Raumgeflechten. Daraus leiten wir nuancierte Varianzen ab. Das Lineare und Malerische als künstlerisches Prinzip, wie Riff und Hookline, verstehen wir nicht als ein Entweder-Oder, sondern als eine Frage der ausgewogenen Moderation. Die Körnung lose gesetzter Einfamilienhäuser des Dorfkerns interpretieren wir in von Lauben und Rankgerüsten gebundene Baugruppen. Die Wohnungen sind mehrheitlich in alle vier Richtungen geöffnet. Wir vermeiden Schottenwohnungen und städtische Grundrisse, sondern glauben mit einer ostinaten Reihung von Rundumsichten dem Wunsch nach den eigenen ‚vier Wänden‘ zu entsprechen. Erst der rigide Rhythmus des Verbands ermöglicht lesbare Varianzen in den Fassaden, in den Orientierungen der Grundrisse und in den Nutzungen der Freiräume.
Wohnen auf dem Land meint auch
'Rundumsicht', die eigenen vier Wände.
Therefore, we start with serial spatial braids. From this we derive nuanced variances. We do not understand the linear and the picturesque as an artistic principle, like riff and hookline, as an either-or, but as a question of balanced moderation. We interpret the structure of loosely set single-family houses in the village centre into building groups bound by arbours and trellises. The majority of the flats are open in all four directions. We believe that an ‚ostinato' arrangement of all-round views meets the desire for one's own 'four walls', so to speak. Only the rigid rhythm of the association allows for legible variations in the façades, in the orientations of the floor plans and in the uses of the open spaces.
Die Lektüre von Projekten der 60er, wie Roland Rainers Hofsiedlungen oder Jorn Utzons serielle Arbeiten in Fredenborg lehren uns, dass die Serie introvertiert und apathisch bleibt. Die Räume werden austauschbar und abweisend. Auf der entgegengesetzten Seite dieser Monotonie kippen stark intuitive Arbeiten wie von Dennis Anderson in Wales oder auch Seldwyla mit der Multiplikation, so wie sie hier notwendig wäre, stets ins Plastische. Besonderheiten sind nicht multiplizierbar. Geht weder das eine noch das andere, ist vermutlich die Mischung beider Welten ein Ansatz. Wir vertrauen in Lehrstücke wie jene von Hans Döllgast in Neuheim, die zwischen dem Linearen und Malerischen, zwischen Gewöhnlichkeit und Ausnahme gekonnt oszillieren, um das richtige, charakteristische Mass zu finden. Vor allem bedarf es einer grossen Sorgfalt und Handwerklichkeit in der Materialität, damit die Reihe ihr verführerisches Spiel entfalten kann.
The reading of projects from the 60s, such as Roland Rainer's Hofsiedlungen or Jorn Utzon's serial works in Fredenborg teach us that the series remains introverted and apathetic. The spaces become interchangeable and repellent. On the opposite side of this monotony, highly intuitive works such as those by Dennis Anderson in Wales or even Seldwyla always tip into the sculptural with multiplication, as it would be necessary here. Singularities cannot be multiplied. If neither one nor the other is possible, the mixture of both worlds is probably an approach. We trust in masterpieces such as those by Hans Döllgast in Neuheim, which skilfully oscillate between the linear and the painterly, between the ordinary and the exceptional, in order to find the right, characteristic measure. Above all, great care and craftsmanship in materiality are required for the series to unfold its enchanting play.
Ausdruck Wir bauen in Holz, genauer in modularer Holzelementbauweise wie sie die Firma Rüegg bestens kennt. Die Fassaden sind roh geschalt. Meist in dunklem Holz. Darin liegen kontrastierend die hellen Augen oder Fenster. Weiss gestrichene oder lärchene Bandfenster mit Setzhölzern durchmessen die Fassaden. Die Fensterunterteilungen nutzen wir bei Bedarf um Privatheit zu schaffen. Wir denken an die flächenversetzten Fenster von Gion Caminada. Im spitzen Winkel schränken sie den Blick ein. Aufgereiht erinnern sie an die für Toggenburger Bauernhäuser typischen Fensterwagen. Dahinter sind die Wohnräume hell. Unter der nächsthöheren Fensterbank sitzen Stoffmarkisen oder Holzrolladen. Sie überhöhen, wie früher Zugläden, die Öffnungen. Farben brauchen wir nur sparsam. Wirken sollen vor allem die Gärten und Höfe. Die Bauten erscheinen natürlich. Sie werden in der Sonne altern. Feine Strukturen überziehen manche Wände. Die meisten sind karg und einfach gehalten, nur Vereinzelte, ihrer Stellung entsprechende Bauten sind feiner texturiert und mit hochwertigerem Holz materialisiert. (Perspektive unten) Sorgfältig sind alle gedacht, aber erst auf den zweiten Blick lassen sich Unterschiede ausmachen. Die Wirkung ist vertraut, wohnlich und doch frisch.
Expression We are building in wood, or more precisely in modular timber element construction, as the Rüegg company is very familiar with. The façades are formed raw. Mostly in dark wood. The light-coloured eyes or windows contrast with this. White-painted or larch ribbon windows with timber posts cross the façades. We use the window partitions where necessary to create privacy. We think of Gion Caminada's offset windows. At an acute angle, they limit the view. Lined up, they are reminiscent of the typical window of the Toggenburg farmhouses. Behind them, the living rooms are well-lit. Fabric sunshades or wooden roller blinds sit under the next-higher window sill. Like shutters in the past, they raise the openings above. We only need colours very sparingly. The gardens and courtyards should have the greatest effect. The buildings appear natural. They will age in the sun. Fine structures cover some walls. Most of them are sparse and simple, only a few buildings, corresponding to their position, are more finely textured and made of higher quality wood. (Perspective above) All are carefully thought out, but it is only at second glance that differences can be discerned. The effect is familiar, homely and yet fresh.
Getreppte Zeile und Hauptstrasse Die rigiden Hoftypen reagieren an den Rändern. Sei es um eine Ankunft oder einen gemeinsamen Übergang mit den Nachbarbauten zu formulieren. Am heutigen Parkplatz sehen wir für die Zentrumsbauten ein kräftiges Gegenüber vor. Im viergeschossigen Riegel liegen Maisonettewohnungen mit Qualitäten eines Einfamilienhauses verschränkt übereinander. Die Zeile folgt dem Terrainverlauf. Die überhohen Wohnräume bringen Atem in die Wohnung. Das Licht dringt weit in die Tiefe des Grundrisses.
Stepped row and main street The rigid courtyard types react at the edges. Be it to formulate an arrival or a common transition with the neighbouring buildings. At the current car parking area, we envisage a strong counterpart for the centre buildings. In the four-storey block, maisonettes with the qualities of a single-family house lie interlocked on top of each other. The row follows the contour of the terrain. The overheight living spaces bring a sense of breath into the flat. The light reaches far into the depths of the floor plan.
An der Uznacherstrasse setzen wir massive, steinerne Quader im Schulterschluss mit den benachbarten Vorbildern aus dem 19 Jh. Am Dorfeingang wäre erdgeschossig eine Werkstatt oder ein Ausstellungsraum mit genügend Aussenraum und Stellplätzen sinnvoll – früher stand hier ein ähnliches Ensemble. In Dorfnähe sehen wir eine kleine Halle mit Café vor und gegenüber der Kirche glauben wir mit einem durchgehenden Ladengeschoss Strasse und heutigen Parkplatz verbinden zu können. Vielleicht wir der Hinterhof einmal trotz der Parkplätze zu einem zukünftigen ‚Dorfanger‘.
On Uznacherstrasse, we place massive, stone volumes in harmony with the neighbouring 19th century examples. At the entrance to the village, a ground-floor workshop or showroom with sufficient outdoor space and parking spaces would make sense - a similar ensemble used to stand here. Near the village we see a small hall with a café and opposite the church we think we could connect the street and the present car park with a continuous shop floor. Perhaps the backyard will one day become a future 'village green' despite the parking spaces.
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Wettbewerb auf Einladung, ohne Rang. Areal der Zimmerei Rüegg in Kaltbrunn mit etwa 100 Wohnungen. Projektleitung Benedikt Profanter, Landschaftsarchitektur tijssen preller, Ingenieur Andreas Stump, holzprojekt Ingenieure und Planer, Luzern, Künstlerische Begleitung: Flurin Bisig
Gemeindehaus
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« Herrenhaus im Park »
Umbau des Gemeindehauses Glarus Süd mit Mehrwert und Öffnung der ehemals privaten Parkanlage 'Villa Platane'.
Annäherung Aufgetragen wurde uns, inwiefern in Etappen eine Zentralisierung der kommunalen Departemente zu bewerkstelligen wäre. Das in die Jahre gekommene Gemeindehaus in Schwanden muss in einem ersten Schritt ohnehin auf Stand gebracht und ertüchtigt werden und nach Möglichkeit das Einwohneramt aufnehmen. In einem zweiten Schritt könnten, falls gewünscht, die anderen drei Departemente aus Mitlödi, Haslen und Nidfurn folgen. Den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern sollen Etappierungsvarianten zur Abstimmung vorgelegt werden um politischen Umwegen und Hürden vorzubeugen.



Für die Projektideen bedeutet das, dass immer beide Zustände funktionieren müssen. Die erste Etappe des Umbaus darf den ursprünglichen Zustand der Villa, also die ‚Patrizierbaute‘ nicht verleugnen sowie zukünftige Entwicklungen nicht einschränken, denkt man an anderweitige Nutzungen oder gar an einen Verkauf der südlichen Parzelle. Die zweite Etappe, sei sie in Richtung Garten oder in der Häuserlücke gedacht, darf die vorher getroffenen Entscheide ebenfalls nicht beeinträchtigen.
Denkt man noch weiter in die Zukunft, so wird die Erweiterung vielleicht einmal nicht mehr als Büro genutzt werden, sondern in 100 Jahren wird einmal darin gewohnt. Glarus Süds Baukultur illustriert gut, wie sehr sich Wohnhäuser, Herrenhäuser und öffentliche Bauten über die Zeiten wandeln. Beispielhaft sei die Villa Platane genannt. Ursprünglich, war sie ein, von einem eindrücklichen Dach bekröntes, massives Bauernhaus. Später wurde sie mit dem einhergehenden Wohlstand der Industrialisierung grob bis auf die Sockelmauern heruntergebrochen. Auf die verbliebenen Mauerreste bauten die Zürcher Brüder Brunner historistischen Fassaden und Mansarddächer, ganz im Sinne der damaligen französischen Akademietradition. Die Villa, mit für damalige Verhältnisse modischen Anleihen, finden wir heute beachtens- und schützenswert. Zu Recht.
Wir befinden uns also an einem Ort voller Geschichte(n) und Umbrüche, die es weiterzuschreiben gilt. Sie sind Ausdruck eines steten Ringens um Wohlstand im Glarner Süden. Diese Lebenshaltung prägte die beiden Täler seit Jahrhunderten, und noch heute. Spitz formuliert handelt es sich um Geschichten von Kleinbauern und Herren, architektonisch neben den Industriebauten, um Bauern- und Bürgerhäuser.
Ort Die Gemeindeverwaltung amtet im ehemaligen Herrschaftshaus des Vorzeigeindustriellen und eigentlichen Bauernsohns aus Sool, Peter Jenni. (1824-1879) Ursprünglich, so zeigt es unten die historische Karte Schwandens, war die mit Consul Peter Jenni angeschriebene Villa von gefassten, formalen Gärten und Aussenräumen umstellt. Im Norden, auf dem heutigen Gleisdamm lag eine Art kleiner Platz. Der öffentliche Auftritt präsentierte sich hier, der private Zugang lag gegenüber im Haus, im südlichen Garten, der gegenwärtig verschlossen ist. Das Haus hat mit dem Park leider nichts mehr zu tun.
Die stattlich vornehme Wirkung und Präsenz von Villen entsteht nicht nur über einen kultiviert erscheinenden Formenkanon, sondern auch mittels räumlicher Distanz, die meist ein grosser, parkartiger Umschwung aufbaut. Der Garten wirkt wie ein Rahmung oder Verstärker für den Bau. Für die Besucher baut er eine eindrucksvolle Distanz auf. Der Weg wird bis in die privaten Räume eines Hausherren bedeutungsvoll gedehnt. Neben der Grösse und Gestalt ist also vor allem ein grosszügiger, gut unterhaltener Umschwung wichtig. Eine gediegene Vorfahrt und Dienstgebäude unterstreichen die vornehme Wirkung. Diesen, in Glarus Süds Geschichte bekannten Garten- und Umraumbezug (vgl. Gebiet Thon) wollen wir hier nicht für Private, sondern für die Öffentlichkeit nutzbar machen. Trotz der schroff geführten Schneise der Gleise und Bahnhofstrasse im Dorfkörper sind wir überzeugt, hier nach wie vor einen guten, neuen Ort für das Dorf schaffen zu können – eine neue Gemeindeverwaltung im Park der bis zur Linth reicht. Wer hat das schon?

Zwei Kunstgriffe Die Südseite gewinnt mittels eines massiven, runden Turms an Präsenz. Darin liegt eine Treppe mit Öffnungen wie Fotografien zum Park. Daneben platzieren wir den Lift zur Raumtrennung und behindertengerechten Erschliessung. Besucherinnen und Besucher werden die Baute nun verstärkt über den Parkbezug im Treppenturm erleben. Des Weiteren vergrössern wir das Raumangebot mit der steinernen Laube. Wir nutzen folglich vor allem landschaftliche Motive aus der Gartenarchitektur und entwickeln daraus spezifisch Neues, hoffentlich Elementares. (vgl. Zitronengärten unten)
Stärken wollen wir die öffentliche Strahlkraft des Gemeindebaus zudem mit einer Aufstockung. Der aktuelle Dachraum ist schlecht nutzbarer Restraum und daher verständlicherweise von verschiedenen, unschönen Gauben durchsetzt. Wir denken einen grossen Besprechungsraum bzw. Saal mit bis zu 100 Personen im neuen Dachraum unterzubringen. Kleinere, laterale Räume können als Breakouträume oder Lager genutzt werden. Ein Umbau zu Büroräumen wäre natürlich auch leichterhand umsetzbar, dann würde der Saal in die Orangerie wandern.
In der Tat glauben wir eine Lösung vorzuschlagen, die mehr bietet als die ‚Teilvariante‘ der Auslobung. Falls der Annex (gemeint ist der Neubau für die Variante 'Alle Dienste an einem Standort') wider Erwarten nicht gebaut würde, so hätten wir mit der ohnehin anstehenden und notwendigen Snaierung inkl. der Aufstockung und der Orangerie bereits genug erreicht, um einen starken, weiterhin entwicklungsfähigen Ort für die Zukunft zu schaffen.
Die wichtigste Neuerung (zweiter Eingriff) stellt die Drehung der momentanen Ausrichtung dar. Wir wollen den Bau zukünftig von Südwesten, vom Dorf aus erschliessen. Die Verwaltung wird so Teil des Dorfes und bleibt kein ausgelagertes Bürovolumen wie bis anhin, ein Haus mit Hintereingang vom Werkhof. Die Baute soll angemessen empfangen. Ein zweigeschossiger Portikus wendet sich daher dem Bahnübergang zu. Davor liegt ein kleiner, steinerner Platz, der bis auf Hochparterreebene angehoben wird. Der Höhensprung zur Strasse wird damit weniger schroff und eine behindertengerechte Erschliessung möglich. Uns überzeugt der neue Auftritt und die damit gewonnene Nähe. (Nachtbild oben) Vor allem gefällt uns die neue Höhe und strahlende Wirkung der mit Steinplatten verkleideten 'Laterne'. Sie ist Ausdruck eines gemeinschaftlichen, kommunalen Raums, der allen gehört.
Zweite Etappe für alle Dienste an einem Ort In der Lücke dahinter könnte der neue Bürobau zu liegen kommen. Wegen des Gefälles setzen wir ihn ein halbes Geschoss tiefer und überlassen dem Hauptbau weiterhin den grossen Auftritt. Das kleine Bürohaus entsteht als Konsequenz aus gegebenen Grenzabständen und Fassadenfluchten. Das Treppenhaus legen wir nicht, wie man erwarten würde, als Gelenk zwischen die Bauten, sondern in das Haus hinein. So kann die Baute bei Bedarf einmal abgetrennt und für Wohnzwecke umgenutzt werden.

Technik Der Bestandsbau wird mit neuen Deckenaufbauten ertüchtigt. Die meisten Wände und etliche der schönen Türen möchten wir erhalten und instandsetzen. Die gröbsten Eingriffe verlagern wir ausserhalb der Fassaden. Lift und Treppe kommen in die Laube und das Dach wird aufgestockt. Die gekammerte Struktur erhalten wir im Wesentlichen. Geheizt wird über klug gesetzte Radiatoren. Vor allem erhält die heutige Empfangssituation mehr Raum und Atem zu Gunsten eines freundlichen, grosszügigen Foyers.
Den Neubau verstehen wir als Holzbau, der aussen mit Mauerwerk aus Dämmziegeln umstellt und gedämmt wird. Damit erreichen wir eine warme, auf lange Zeit flexible Atmosphäre. Wir kennen die verputzten Häuser, die im Inneren mit grobem Strick und Täfer aufwarten. Dieser Wechsel entwickelte sich zu einer Glarner Wirklichkeit und interessiert uns, auch deswegen, weil er einen wirkungsvollen Kontrast zum Bestand bildet, der sonst eher gekammert und massiv bleibt. Der Neubau dagegen ist hölzern und grossräumig. Die Decken legen wir mit vernünftigen Spannweiten auf Unterzüge. Mit der einfachen, robusten Konstruktion halten wir Bauzeit und Kosten tief. Vermutlich trifft eine solche Denke und Haltung auch den Glarner Charakter. Eine pragmatische, fast archaische Lösung, mit Feinheiten.

Tektonik Wir bauen im voralpinen Gebiet. Manche sagen klimatisch zwischen Oberitalien und Schweden. Wir empfinden Nähe zu den Bündnern, in der Bau- und Denkweise nicht gleich, aber ähnlich. Unsere Herrenhäuser sind zwar jünger, keine mittelalterlichen Palazzi, aber die vernakulären Bauten sprechen ebenso leise und sind von grosser Nüchternheit geprägt. Noch immer spürt man wie den Bergen, den Bächen einmal das Land abgetrotzt wurde. Diesen Zusammenhang möchten wir architektonisch formulieren.
Einfacher fällt uns das beim Anbau in der zweiten Etappe. Ein verputzter Massivbau mit Fenstern, Fassungen, Fensterbänken und Läden aus Lärchenholz, darüber schliessen Balkenköpfe der Dachsparren wie Zahnreihen die Mauerkronen ab. Ein feiner Farbunterschied deutet den Sockel an.
Ein wesentliches Fassadenmotiv entwickeln wir aus den Eckquadern der Villa. Die steinernen, gefugten Lisenen nutzen wir sparsam um die Fassaden der Aufstockung zu ordnen und als Laterne wirken zu lassen. Am Eingang tragen sie etwas gedrungen proportioniert einen kleinen Portikus. Die Steinquader sind teils grob geschlagen, teils glatt aus heimischem Stein – vielleicht sogar aus unserem Verucano? Wir denken an die plastischen Arbeiten von Ulrich Rückriem oder die seltsam rustifizierte Natursteinsäulen der Villa Sarego von Palladio.
Daraus entwickeln wir die rustikalen Säulen der Laube. Dazwischen öffnen sich grossformatige, raumhohe Fenster mit Stoffstoren. Die rustifizierende Pilastrierung verwebt das Gemeindehaus, mit der Villa Platane und dem Anbau sowie mit dem Ort inmitten der Glarner Bergwelt – die sich besonders eindrücklich auf der Dachterrasse erfahren lässt.


Zum Schluss bleibt die Frage wie sich die Gemeindeversammlung entscheiden wird. Wir hoffen mit unseren Überglegungen zuden verschiedenen Etappierungsvarianten einen hilfreichen Beitrag zur Entscheidungsfindung erarbeitet zu haben.
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Studienauftrag mit Folgeauftrag, selektives, zweistufiges Verfahren, Empfehlung zur Weiterbearbeitung, Projektleitung: Benedikt Profanter, mit Ingenieur Markus Küng von Runge AG Glarus, Landschaftsarchitektur Beglinger + Bryan, Zürich Luzern
Kunstmuseum Bern
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« Ggasche »
*Berndeutsch für cachet, franz. le cachet: Gepräge, Ambiente, Charakter eines Ortes doppelsinnig auch: cacher: verbergen, verstecken
Annäherung Zweimal wurde bereits angebaut. Beide Erweiterungen wurden und werden wieder rückgebaut. Der Stettlerbau aber blieb. Und nun? Können wir heute erkennen, was dauerhaft sein wird? Wollen wir ein drittes Mal anbauen? Ja kann man einer Villa überhaupt etwas anbeistellen? Ist es sinnvoll, einem solitär gedachten Prachtbau einen zweiten Bau daneben zu stellen und als neuen Protagonisten zu feiern? Vielleicht. Was aber richtet man damit beim Stettlerbau an? Würde er nicht unversehens degradiert, obwohl man ihn zu erhalten versucht? Diesen Weg möchten wir kein drittes Mal beschreiten. Wir meinen, keine weitere Baute mehr vorschlagen zu dürfen, zumal sie ohnehin kaum einen öffentlichen, einladenden Ausdruck entwickeln würde, solange Kunstwerke darin mehrheitlich ohne Tageslicht gehortet und ausgestellt werden müssen. Es bedarf einer alternativen Strategie, keiner vertikalen, sondern einer horizontalen. Einer, die nicht erneut den zentrischen Solitär asymmetrisch erweitert und die Frage danach, wer nun Neben- und wer Hauptbau sei, bloss unentschieden beantwortet.

Ein anderer Ort Sehr schöne Häuser können sich viele Städte als Publikumsmagneten anschaffen, doch eine derartige, topographische Besonderheit wie sie Berns Aareschlaufe und Hügel schuf, hat niemand sonst. Das ist einmalig. Zu Recht. Von der UNESCO gewürdigt, von der Denkmalpflege über Jahrzehnte gehütet und für den Berner Ortsbau seit Jahrhunderten prägend. Auch in Zukunft soll das so sein. Einst legte man das Kunstmuseum auf die Abseite des ‚Berner Sacks‘, hin zur Schütte und Deponie des Stadtbrands von 1405, vermutlich auch wegen des Nordlichts. Lange waren hier eine Wiese und lediglich die Mauern der Wehranlage. Später wurde daraus in Teilen eine Parkanlage, die es heute kaum mehr gibt und darüber kam ein der Zeit entsprechendes, klassizistisches Museum zu stehen, eine Art Herrenhaus, das sich nach Norden ausweitete und allseitig präsentiert. Doch ein Villentypus nährt sich nur zum Teil von seiner klassischen, tektonischen Sprachlichkeit, mit dem einhergehenden Anspruch an Gültigkeit. Es sind vor allem der Umschwung, die Parks und öffentlich wirkenden Gärten, die Stattlichkeit und distanzierte Wirkung verschaffen. Der Umraum bildet den auratischen Raum, auf berndeutsch ‚Ggasche‘, wenn man so will. Gewöhnlich passiert man zuerst eine längere Zufahrt, steigt dann eine Treppe hoch in ein Foyer und gelangt über verschiedene Vestibüle und nachgelagerte Schwellenräume erst nach und nach bis zum Salon des Hausherren. Die Räume einer Villa werden nicht nur in der lichten Höhe vertikal, sondern auch in der Horizontalen gedehnt. Man demonstriert damit, sich ein derartig grosses Grundstück leisten zu können, inklusive gestaltetem Garten mit seltenen Gewächsen und der dafür notwendigen Pflege. Dahin wollen wir zurück, zum Wesen der ursprünglichen Absicht, als die Westseite bis zum Waisenhaus grosszügige Gartenanlage war und den Raum zum Hang öffnete. Hierhin wollen wir zurück, wo der Stettlerbau als allseitig wirkender Einzelbau über der Schütti trohnen durfte.

Wesen Also halten wir den Zwischenraum von Museum und dem Polizeigebäude frei. Der Hang wird über die ganze Breite geöffnet. Hangseitig liegt eine Geländestufe, die an der Hodlerstrasse als Plinthe endet. Den daraufliegenden Freiraum fasst eine tiefliegende, kalksteinerne Brüstung. Die Einfriedung schafft eine innere Welt mit eigener Atmosphäre, ohne den Bezug nach Aussen zu verlieren. Die ehemals streng formale Gartengestaltung der historischen Pläne deuten wir zeitgemäss um. Der Garten wird nach einem orthogonalen Prinzip gestaltet, welches typische Gartenelemente der Gartengeschichte sowie Figur- und Grundthemen neu interpretiert. Die vielfältige Bepflanzung, teils in erhöhten Pflanzbereichen, wirkt dabei auf verschiedenen Ebenen. Sie wird als fortschreitender Prozess verstanden, der wächst und sich verändert. Mit dem Durchwandern des Gartens eröffnen sich vielfältige Blickbezüge und Atmosphären. Von der intimen, mit Gehölzen gerahmten Nische zur offenen Wasserfläche bis hin zur Aare und hinaus in die Landschaft. Geschüttete Kleinwälder treffen auf artenreiche Wildstaudenbepflanzungen und stimmungsvolle Senkgärten. In den verschiedenen Kompositionen finden neben zahlreichen Tierarten temporäre Kunstinstallationen Platz. Der Aussenraum wird zur erweiterten Ausstellungsfläche.
Was bei der Hodlerstrasse als öffentliche Terrasse vor einem liegt, schlängelt als schweres Kalksteinmauerwerk mit spolienartigen Einlagen aus dem Abbruch des Atelier-5 Baus zur ‚Schütti‘ hinunter. Grüne Sandsteineinlagen arbeiten in der Vertikalen mit den Risaliten des Stettlerbaus zusammen und formen dessen neuen Sockel. Die einstige Hang- oder Abseite der Anlieferung, wird endlich zur Hauptseite, die als unprätentiöses Bauteil im Hangensemble zwischen dem Waisenhaus und der Suchthilfe aufgeht. Mit dieser Intention weichen wir der Ikonographie eines Einzelbaus aus und stärken die Ikonographie des Stadtkörpers. Zwar bauen wir vor dem Stettlerbau, aber wir bauen für ihn, einen Sockel. Wir schreiben uns in die ‚Ganzheit‘ der Altstadt Berns ein, in ihr System von Gassen, Plattformen und Terrassen. Wir knüpfen an den öffentlichen Freiräumen an, an den Berner Lauben und Promenaden. Wir möchten unseren Vorschlag ganz in der Berner Tradition verstanden haben, so wie es Paul Hofer in ‚Bern als Monument‘ treffend beschrieb:
‚Fremd ist Bern die Geschlossenheit des isolierten, frei im Raume schwebenden, architektonischen Kunstwerkes.
Wichtig war allein die Macht und Grösse des G A N Z E N.‘
Museumsterrassen Die gastronomische Nutzung legen wir an die vorraussichtlich am meisten frequentierte Treppe und binden damit das inventarisierte Mauerstück ein. Der Ort soll auch ausserhalb der Öffnungszeiten belebt sein. Die ‚Bar‘ arbeitet gut mit der darunterliegenden Cateringküche zusammen. Die Terrasse steht allen offen, nicht nur Museumsbesucher:innen. Der Ort wird attraktiv und einladend, hoffentlich ähnlich belebt wie es heute die ‚Pläfe‘ ist. Eine begehbare Fläche vor dem Bistro spannt einen attraktiven Verweilort auf. Darunter erstreckt sich eine offene, multifunktionale Fläche zwischen dem aufgestockten Waldrand und dem Raum für die Kunstvermittlung. Durch die Anbindung an die Uferwege wird die Parkanlage um einen öffentlichen Garten bereichert.
Es gilt, das Museum aus der vertikalen Verschlossenheit in eine horizontale Offenheit umzulegen.
Down The Rabbit Hole Der Eingang ins Museums geschieht über eine kunstvoll gestaltete Kleinbaute, die mit ihrem Vorraum unmittelbar an der Hodlerstrasse steht. Sie ruft innere Bilder eines vergangenen Vorgängerbaus oder an einen nicht vollendeten Auftakt eines nie in Angriff genommenen Baus hervor - je nach Lesart. Gerne würden wir damit eine ähnlich kunstvolle Erscheinung erzielen wie ein Torj Tor oder wie es Schinkel für Königin Luise entwarf. (Entwurf zu einem Mausoleum für die Königin Luise, Fassade, Aquarell 1810, 67,6 x 47,4 cm) Wir stellen uns einen entrückten, chiricohaften Kleinbau vor, gedacht wie der Kaninchenbau von Alice, die damit ins Wunderland abtaucht. Die gesamte, vor einem verborgene Museumswelt (daher auch ‚cacher‘) kulminiert in diesem schmalen Zugang.


Angemerkt sei, dass wir glauben, sämtliche erfolgreiche Museumsbauten seien zuallererst öffentlicher Raum und erst danach Hort von Kunstwerken. Wir denken unter anderem an das Centré Pompidou, wo die Erschliessung nach aussen zum Platz und Stadtraum gekehrt wurde. Genauso meinen wir, dass ein grandioses Museum wie das Louisiana Museum of Modern Art vor allem darauf gründet, Aussen- und Innenraum so stark ineinanderzuarbeiten, bis sie sich gegenseitig bedingen. Wir machen das ebenso. Oben schaffen wir einen Garten als weiteren, alternativen Ort der Stadt, unten schaffen wir mit den Öffnungen in den Stützmauern eine Verbindung zwischen Innen und Aussen sowie eine einfache Orientierung. Als Geschenk erhalten wir über die gesamte Länge Nordlicht.
Vor allem aber stellen wir die lange verleugnete, topograpfische Besonderheit ins verdiente Zentrum. Den nördlichen Aarehang. Eine solche Chance gibt es nicht mehr.
Soziale Nachhaltigkkeit Zusätzlich könnte, so lange die Gasse des KKJPD nicht geöffnet werden kann, das Treppenhaus des PROGR offen stehen. Es könnte als niederschwellige Vorzone zum Kunstmuseumsbetrieb dienen. Schliesslich geht es um das Verbinden und Vernetzen mit den umliegenden Gebäuden und Aussenräumen für ein städtebauliches Ganzes – ein KulturFORUM des 21. Jahrhunderts, zu dem die Polizei und Justizbauten kaum beitragen können. Es gilt, das Museum aus der vertikalen Verschlossenheit in eine horizontale Offenheit umzulegen, die Stadt mit den Museumsterrassen und dem Aarehang zu verweben. Nur so kommt der Ort zum Leben und bleibt langfristig lebendig. Wenn wir weniger für Besucher:innen und kurzfristiges Spektakel, sondern vor allem für die Berner und Bernerinnen bauen, schaffen wir Akzeptanz, soziale Nachhaltigkeit und Differenz. Es werden vielfältige und schwellenarme Nutzungsmöglichkeiten neben den klassischen Ausstellungsbereichen entstehen. Austausch, Interaktion, Verweilen und Begegnung werden im Zentrum stehen. Einmal wird man sich im Museum zum Essen oder für ein Meeting treffen, vielleicht nach dem Schwumm hier verweilen? Man könnte hier den ganzen Tag verbringen. Das wäre unser Ziel.
‚Pondere ipso stabilis‘ Standfest im eigenen Gewicht. Bern!
Zuletzt. Stützmauern und Gartenterrassen gibt es am südlichen Aarehang zu Hauf. Am Bundeshaus, dem Casino, dem Münster und vielen Restaurantterrassen sind sie typisch für die Berner Altstadt. Sie sind daher keine Erfindung, sondern eine Weiterführung des Bekannten und logischer Gegenpart zum Bundeshaus. So wie das Rathaus dem Münster gegenübersteht, das Weltliche, mit einem Versprung dem Geistlichen entspricht, so könnte man hier ein Gegenstück zum Bundeshaus und der Bundesterrasse lesen. An beiden Orten wird die Zukunft verhandelt.
Organisation Der ortsbauliche Entscheid, dem Wettbewerbsprogramm auf den ersten Blick nicht zu entsprechen, weil keine weithin sichtbare, sondern eine liegende ‚Dominante‘ vorgeschlagen wird, bietet in betrieblicher Hinsicht nicht unerhebliche Vorteile. Das Museumserlebnis wird in den neuen Räumlichkeiten bequem auf nur zwei Geschosse verteilt. Man besteigt keinen Museumsturm, sondern folgt horizontal kuratierten Routen oder wandelt frei. Vertikale Fluchtwege und Steigzonen sind weit weniger notwendig, weil man auf die aussenliegenden Wege flüchten kann. Daneben bietet sich, wie schon erwähnt, über die ganze Länge Nordlicht, genauso wie in jenen Künstlerateliers, in denen die meisten Ausstellungsobjekte entstanden sind. Einzelne, massive Zellen aus Lehmwänden schaffen besondere, kapellenartige Räume, introvertiert und teils unabhängig vom Tageslicht.
Mit der Arbeit in der Fläche lassen sich zwei unterschiedlich hohe Ausstellungsgeschosse um den Bestand legen und mit ihm zusammenspannen. (4m und 6m). Dieser wird nun von Wc‘s und anderen Einbauten befreit. Seine Treppe wird wieder zur Geltung gebracht. Der Stettlerbau wird reiner Ausstellungsbau und die vom Atelier-5 Anbau in Mitleidenschaft gezogenen Aussenwände schliessen wir mit dem Sgrafitto ‚Obsternte‘ von Cuno Amiet ab – sinnfälligerweise zum Garten gerichtet.
Der Eingangskörper separiert unten Foyer und Kassen, so dass Anlässe im Multifunktionsraum getrennt vom Museumsbetrieb durchgeführt werden können. Der teilbare Saal öffnet mit einer Art Diafenster auf die dahinterliegende Wehrmauer. Linkerhand angeschlossen liegt das Catering, dann die Kunstvermittlung an der Aussenwand, ebenfalls verbunden mit Foyer und der Kasse. Die Terrasse davor wurde zur besseren Nutzung verbreitert und öffnet mit freier Brüstung zur Waldkulisse. Von der Kasse kommend, entscheiden Besucher:innen entweder die Sammlung im Stettlerbau zu besuchen oder wählen die flache Rampe in den östlichen Teil des Neubaus. Die geneigte Fläche ist für ein interessantes Raumerlebnis und die im Programm gewünschte Überhöhe am Ende mit 2% Neigung ausgeführt, allenfalls seitlich als flache Treppe.
Im unteren, sehr hohen Ausstellungsgeschoss liegt vor den gewaltigen Räumen eine weitere Aussenterrasse vor den Bäumen. Die geschaffenen Aussenflächen, wie der Garten, die Terrassen und Promenade verstehen wir als Ausstellungs- und Performanceräume. Es sind etwa 2000m2! Dass Museum wird nach Aussen getragen und das Aussen, die Passanten und Spaziergänger:innen werden nach Innen geholt. Den neuen Lift platzieren wir vorteilhaft am Übergang von Alt zu Neu in das Herz der Anlage, um Ausstellungen separat aufzubauen oder gemeinsam zu bestücken. Er erschliesst direkt die jeweiligen Lager- und Werkstättengeschosse (mit runden Öffnungen von oben belichtet), das weiter unten liegende Kunstdepot sowie die Technikräume. Den Lift im Bestand empfehlen wir, zu erhalten. So schlagen wir vor, auf der Plinthe mit einer typischen Berner Lösung zu arbeiten, ähnlich wie sie für die Geschäfte der Innenstadt entwickelt wurde. Eine Aufzugsbühne mit ausladendem Baldachin, allenfalls seitlichen Schutzwänden bringt die Lieferungen auf die jeweiligen Geschosse. Das entspricht auf den ersten Blick nicht den Wünschen der Museumsbetreibenden, aber mit einer ausgefeilten technischen Lösung schafft man es endlich, die Nordseite des Museums nicht mehr als Abseite und Hinterhof zu verstehen, sondern als wunderschöne, belebte mit dem Aarehang verbundene Gartenterrasse.
Gebäudetechnik, Ressourcen Bauliche und technische Synergien
1. Der Baukörper entzieht sich weitestgehend dem Aussenklima und trägt damit wesentlich zu einem stabilen Raumklima bei (<2K/Tag). Durch den Wegfall der externen Lasten (solare Strahlung und Aussentemperatur) reduziert sich der notwendige Leistungsbedarf für Heizen und Kühlen massiv.
2. Die thermische Speichermasse mit massiven Decken/Böden und Wänden mit hygroskopischer Wirkung (Lehm) nehmen die internen Lastschwankungen auf (Personenflüsse und deren Feuchteabgabe) und tragen zur Amplitudendämpfung bei.
3. Es sind keine wasserführenden Heiz-/Kühlsysteme notwendig. Mit der hygienisch erforderlichen Lufterneuerung kann der minimal verbleibende thermische Haushalt und die Feuchteregulierung auf einfache und effiziente Weise gewährt werden.
4. Die thermische Energiebereitstellung erfolgt 100% erneuerbar mittels Nutzung des Aarewassers als energetisch effiziente Wärmequelle (mit Wärmepumpe) und Wärmesenke (Freecooling). Mit einem raumseitigen, saisonal erlaubten Temperaturregime von 18°C (Heizfall) bis 23°C (Kühlfall) ist auch die künftige Klimaerwärmung adaptierbar.
5. Das wichtige Kunstlicht wird dort, wo unkritisch, mit Tageslichtsituationen ergänzt und mittels konsequenter LED-Technologie energetisch effizient und dynamisch anpassbar situiert.
6. Freiraumgestaltung und Bepflanzung sind wichtiger Beitrag zur Hitzeminderung und für das Stadtklima.

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Wettbewerb im selektiven Verfahren mit Präqualifikation, Erweiterung des Kunstmuseums in Bern. Mit dem Vorschlag einen Ort, eine Terrasse statt eines Hochbaus neben die Villa zu setzen – was der Auslobung entsrpache – kamen wir immerhin bis zur zweiten Runde. Die Fassaden sind noch nah an unseren Vorbildern. Daran hätten wir gerne weiter gearbeitet. Team: Benedikt Profanter, Vanessa Beer mit freiraum Landschaftsarchitekten, Dr. Uwe Teutsch Bauingenieur von tragstatur und Adrian Altenburger sowie der Beratung durch Fabian Bischof von Ernst Gerber Architekten in Bern.
Sunnähüüsli
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« Umbau eines Strickbaus »
Ein Ferien-, Wohn- und Arbeitshaus in Braunwald.
Ausgangslage Eine Zürcher Familie entschied, zukünftig in Braunwald zu leben, nicht mehr als Feriengäste zu kommen, sondern als Bewohner:innen zu bleiben. Die ehemalige Alp Rüti wandelte sich Anfang des 20 Jhd. zu einem Kur- und Ferienort. Neben der prägenden Höhenklinik, dem Märchenhotel und den Bauernbetrieben sind hier vor allem Ferienhäuser zu finden. Hotels blieben wenige, denn mit dem Niedergang der Textilindustrie gingen auch etliche, kosmopolite Kontakte verloren. Die Strahlkraft und mondäne Wirkung Braunwalds litt. Geblieben sind die ausserordentlichen, landschaftlichen Qualitäten. Braunwald, eigentlich 'Brunn-Wald', war seit eh und je ein wasser- und waldreicher Ort, der sich auf einer etwa 4km langen Sonnenterrasse hinstreckt und durch ein steiles Felsband vom Tal getrennt ist. Der Ort kann nur zu Fuss oder mit der Standseilbahn erreicht werden. Braunwald versteht sich daher als autofrei, wenn auch nicht verkehrsfrei. Für die Bauerei stellt das eine grosse Herausforderung dar.
Nachbarschaft Unser Haus befindet sich an einem Weg, den Hans Leuzinger für einen Rundweg entlang herausragender Ferienhäuser vorsah. Neben ihm bauten Ernst Gisel, Streiff Egidius und neuerdings Althammer Hochueli bemerkenswerte Häuser hier oben. Im ‚Sunnehüsli’, gab es früher ein Kaffeestübli mit Loggia. Der Strick wurde vermutlich Mitte des 20 Jhd. rechterhand angebaut und der asymmetrische Eindruck verstärkt. Im Haus trafen wir mehrfach angebaute, umgebaute, kleinteilige Räume für zwei Wohnungen an, eine dritte Wohnung lag darunter im Sockelgeschoss.
Neuordnung, Erhalt Absicht war es, mit dem Umbau das Haus weitmöglichst zu erhalten, Wohnungen besser zu ordnen und den Räumen mehr Atem zu verschaffen, ohne die niedrigen Raumhöhen anpassen zu müssen. Die Proportionen, die Balkenköpfe an den Fassaden sollten mit dem Strick bleiben. Der folgenreichste Eingriff war die Verlegung der Haupttreppe. Alles andere richtete sich danach. Die Verbindungstür, um die Ferienwohnung zu bewirtschaften, ebenso die Neuordnung und bessere Belichtung der Sockelwohnung sowie die Organisation der Werkstatt und Technikräume. Insgesamt könnten hier bis zu 21 Personen die Nacht verbringen.
Die Eingriffe waren erheblich, doch wir hielten es für unverhältnismässig, den Bestand abzuräumen, ohne dabei ein besseres Ergebnis mit einem Neubau zu erreichen. Der qualitätsvolle, alte Strick blieb und damit seine Geschichte. Das Innere wurde mit Hohlkastendecken aus Holz gebaut und mit Tannentäfer ausgekleidet. Getäfert und gedämmt wurde nur innen. Den Sockel aus Naturstein spannen eine Bodenplatte und neue Betonwände im Rücken zusammen. So schufen wir Räume auf Neubaustand und stärkten den Kontrast von Enge und Weite. Zwar handelt es sich hier um keine herausragende Einzelbaute, doch wurde eines, der vielen anonymen Häuser erhalten, die so sehr den Charakter der Streusiedlung von Braunwald ausmachen. Materialien Wichtig war, nur mit massivem, ortstypischem Holz zu arbeiten, vornehmlich mit unbehandelter Fichte an den Wänden, Decken und mit geölten Böden. Buchenholz setzten wird dort ein, wo die Beanspruchung grösser war. Auf den Treppentritten, an Handläufen und Griffen. Lärche wurde aussen auf die Fichtenfenster gesetzt. Die Seekieferplatten waren nicht nur dem Budget geschuldet, sondern wirken als zeitgenössischer Ersatz für besondere Maserungen, wie wir sie oft an Nussbaumeinbauten und Möbeln finden. Die Umgebung wird vor allem aus Findlingen des Abbruchs und der rückgebauten Mauerwerke geschaffen. So geht das Wiesland ungehindert bis an die Sockelwände. Nur einzelne Trittsteine zeichnen einen Weg um das Haus. 
Autark Eine Photovoltaikanlage versorgt mit einer Wärmepumpe das Haus. Ergänzt wird es von einem Stubenofen mit Absorbertechnik. Die Abwärme des Ofens heizt das Wasser im Speicher. Zudem wird überschüssiger Strom in einen Verbund eingespeist. Ein neuer Glasfaseranschluss und eine Richtstrahlantenne sorgen für die Verbindung in die Welt und für vom Internet abhängige Arbeitsplätze. Es wird nicht nur gewohnt oder eine Auszeit genommen, sondern auch gearbeitet, wofür sich die Bauherrschaft stark einsetzt. Klicken Sie auf das Bild, um mehr zu erfahren:
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Direktauftrag, Bauprojekt und Ausführung Vanessa Beer
Vorprojekt Martina Maurer, Bauleitung vor Ort durch Markus Hermann, Ingenieur Runge AG, Bauphysik Raumanzug, Unternehmer: Baumeister Marti AG Linthal, Holzbau AG mit Stüssi AG, Schmid Fenster Manufaktur AG, Jacober und Elmer Bedachungen AG, TBGS Elektro, Schuler Heizungen, Gmür & Braun Küchen AG, Marti Holzbau, Schreinerei Tödi, Bodenmax AG, Aebli Plattenbeläge AG, Peter Bamert Bodenwelten GmbH, Gisler Ofenbau GmbH sowie Toni Gisler Tiefbau und Umgebungen
Im Eichen
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« Vernakulär »
Ein, auch nach dem Umbau, 'vernakuläres' Wohnhaus im ältesten, dörflichen Teil von Glarus. Im Folgenden der Text 'Verzichtbar', der im August 2023 als Teil einer Essayreihe in der Südostschweiz erschien.
Es ist schon ein paar Monate her, da wurde unser Umbau ‚Im Eichen‘ fertig. Nichts Auffälliges. Würden sie die Eichenstrasse entlang schlendern, entginge Ihnen die Sanierung eventuell. Von Aussen entdeckten aufmerksame Augen vielleicht die aufgearbeiteten historischen Fenster im rötlichbraunen Kellenwurf und im angebauten Heustock die frisch eingesetzten Holzlamellen. Vielmehr ist es nicht.
Der ‚Eichen‘ bezeichnet ein paar Zeilenhäuser unterhalb des Bergli, im ältesten dörflichen Rest von Glarus. Der linke Nachbar ist ein mittelalterliches Blockhaus und rechterhand steht das ‚Alte Rathaus‘. Alle wurden ohne Architekt:in im heutigen Sinn gebaut, es waren vornehmlich Baumeister oder Laien.
Diese Art Häuser nennt der Fachjargon vernakulär und meint damit im Ort, dem Klima und Material verwurzelte Bauten. Vor allem scheinen sie von Menschlichkeit durchdrungen. Mein handwerklich begabter Bauherr, weit über achtzig, zeigte sich von Anfang an offen für Unkonventionelles. Wir verstanden uns auf Anhieb. So ersannen wir schon bald etliche Pläne und organisierten die Baustelle. Doch ich stellte bald fest, dass man mich und meine Architektin kaum brauchte. Man entschied vor Ort ohne uns. Der Kühlschrank war trotz unserer Zeichnung schon gekauft, die Küchenplatte bereits geschnitzt.
Das Projekt entwickelte sich zwar mit unserem Zutun, doch unsere Rolle blieb ungewohnt und unklar. Auch die fotografische Dokumentation übernahm der ‚Handy-Man‘, wie der Allrounder jovial vom Bauherren genannt wurde. Wir vermittelten einen befreundeten Handwerker und Fotograf dem Bauherren. Doch statt dass dieser die Fortschritte täglich festgehalten hätte, wurde aus der gewünschten Dokumentation eine künstlerische, persönliche Blütenlese aus tausenden Momenten und Stimmungen. Ich bekam keinen USB-Stick, sondern ein Kunstbuch. Ähnlich verlief es mit dem ganzen Umbau.
Im Rückblick bestätigte sich, was ich schon länger geahnt und behauptet hatte. Oftmals ist meine Gattung gar nicht so unverzichtbar. Vernakuläres entsteht aus dem Bestehenden, dem Bewährten, den Bedürfnissen und pragmatischen Überlegungen und vor allem aus der Freude am gemeinsamen Machen. Im Eichen zeigte es sich in den zahlreichen inwändig zu entdeckenden Schnitzereien, in den liebevollen, zeitaufwändigen Details und in manch gewagter Umsetzung, wie zum Beispiel der Dusche. Sie bauten wir aus massivem Lärchenholz, ganz ohne Fliesen, Silikonfugen oder Folienabdichtungen. Die gemeinsame Erfindung, wurde natürlich erneut etwas anders umgesetzt als von mir geplant, dennoch fand ich sie, wie so viele Aspekte des Baus, letztendlich seltsam wunderbar und anrührend. Die eigenartige Dusche werde ich bestimmt noch einmal bauen, dann jedoch mit präzisen, vermassten Plänen, genau nach meinen Vorstellungen. Ob sie dann besser und schöner wird?--
Direktauftrag, Handwerk und Fotografie Maurin Bisig, dort gibt es auch den Bildband zu kaufen, Projektarchitektin: Martina Maurer, Ingenieur Runge AG, Bauphysik Raumanzug, Umgebung Florian Jakober, Maler Fred Kamm, Marti AG Holzbau, Högg Lifte, Aebli Sanitär, Schuler Heizung, Laager Maler, Steger Metallbau, Schmid Fenster, Hus Fenster, Oertli Kanalisation
Mühle Ennenda
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- Kategorie: Gebautes, Realisiert
« Versehrt »
Eine mittelalterliche Mühle, der arg zugesetzt wurde, bauten wir zu einer Wohnung und Goldschmiede um.
Annäherung Aufgefallen war uns das Haus am Bach bislang nicht. Stand es doch verdeckt in zweiter Reihe. Darüber schaute ein Herrenhaus desinteressiert hinweg. Nicht, dass die Villa 'Am Rain' die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hätte, aber der mit Rillenputz überzogene Bau war nur zu leicht zu übersehen. Holzlamellen vor den Fenstern. Ein fahles, bröckelndes Gelb. Was mochte hier einst geschehen sein? Würden darin Maschinen gekühlt? Ein Trafo oder Trocknungsraum?
Lange stand das Gebäude leer. Vielleicht war der davorliegende Dorfbach zu laut? Schliesslich drehen die meisten Anrainer dem Dorfbach gewöhnlich den Rücken zu. Zu laut, zu schnell? Ich verstand das nie. Mir gefiel das Wasser von Anfang an.
Mit der neuen Bauherrschaft erkundeten wir die Innenräume. Im Parterre lage der vordere Hausteil wie ein kleiner Saal am Wasser. Betreten wurde er durch eine tiefe Tür, die von einem Durchgang aus führte. Auf der anderen Seite befanden sich Erdkeller in einer im Hang vergrabenen Tonne. Ein Kellergewölbe, mit steinernen Trennwänden, durchzogen von kleinen Rinnsalen. Die Rückwand darin war glänzend feucht, fast tropfend nass. Eine steile Wangentreppe führte aus einem Verschlag direkt in den Eingangsraum darüber. Das brauchte Platz. Der Ankunftsraum wirkte düster und kalt. Die Stuben, mit graugrünem Täfer, waren schummrig und zu klein. Über Jahrzehnte waren innwändig Schichten aufgetragen worden – für besseren Komfort, jedoch auf Kosten der Raumdimensionen. Dünne Wändchen unterteilten die eigentlich grossen Stuben in beengte Schlafkammern.
Hinten lag der gemauerte Hausteil: eine leere Küche, ein ebenso leeres Bad, soweit das erkennbar war, und ein WC im Aussenraum. Der Bereich war mit Betonstellriemen belegt, die zwischen Stahlträgern hingen. Dieser kalte, russige Raum, vermutlich eine frühere Küche, ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Dunkel und verstellt war er, doch die schroffen Oberflächen der Natursteine, der rauh und fleckig darauf geworfene Zementputz und die Russschicht waren seltsam wunderbar. Die ursprünglichen Raumdispositionen des einstigen Grosshauses wollten sich uns lange nicht erschliessen – zu stark hatte man ihm zugesetzt.

Zweierlei Unser Ansatz begann mit einer präzisen Punktwolke – vor allem mit einem sorgfältigen Rückbau, Schicht um Schicht legten wir frei. Wie viele es waren, kann ich nicht mehr sagen. Doch ich erinnere mich gut an die Diskussionen darüber, ob diese oder jene Schicht diejenige sei, die wir erhalten und wieder nutzen würden. Meist war sie zu brüchig. Erst wichen die dünnen Trennwändchen. Ein Ofen, scheinbar aus einem anderen Haus hierher versetzt, folgte, ebenso die WC-Einbauten. Die Räume gewannen an Klarheit – und doch wurde das Ausmass der Schäden sichtbar. Das Haus scheint versehrt. Mitte oder Ende des 19. Jahrhunderts musste es geköpft worden sein. Die neuen Herren wollten vermutlich bessere Sicht auf den Glärnisch – so vermuten wir.
Spröd Die durchhängenden Deckenbalken, die sich über die lange Seite spannten, waren rabiat in die Waagrechte gezwungen worden. Mit einem Beil mussten grosse Stücke herausgeschlagen worden sein. Im Boden fanden sich Löcher, Öffnungen für Antriebsriemen oder Einfülllöcher? Nach und nach entpuppten sich die einstigen engen Kammern als repräsentative Stuben. Der Mahlzwang hatte einst wohl für ausreichendes Einkommen gesorgt. Die Besitzer waren wohlhabend und einflussreich. Der Atem der Kernsubstanz lies keine Zweifel darüber.
Der Rückbau sollte uns vor unerwarteten Überraschungen bewahren und bot uns zugleich die Gelegenheit, das Haus über längere Zeit hinweg kennenzulernen und wertzuschätzen. Schicht um Schicht traten Spuren zutage, die wir entschlüsseln und verstehen wollten: feine Ritzungen und Flämmchen im Täfer – Zeichen alten Aberglaubens – sowie unzählige kleine Löcher, in die einst Zettel geheftet worden waren. Die Essecke unterhalb der Bank war von Schuhen geschwärzt, und der Boden so tief abgetreten, dass die Astmaserungen sich als weiches Relief abzeichneten. So arbeiteten wir uns zum Ursprung des Hauses vor und bewahrten dabei jedes ausgehobene Stück Holz, um es später wieder zu verwerten. Je länger wir uns mit dem Bau befassten, desto mehr erkannten wir, dass selbst die groben Schäden eine besondere Qualität hatten – sie erzählten vom Wesen dieses 'versehrten' Hauses. Zusammen mit der Bauherrschaft wurde uns nach und nach klar, dass wir nicht weiter „aufräumen“ wollten, dass wir weder glätten noch angleichen sollten. Stattdessen arbeiteten wir die Sprödheit des Hauses heraus – und mit ihr seine, wenn auch teils unrühmliche Geschichte.
Einschub Hans Döllgast lehrte uns das. In München restaurierte er die Neue Pinakothek von Klenze nach dem Zweiten Weltkrieg, indem er Bombenschäden sichtbar liess und den Krater mit Trümmerziegeln schloss. Sein Eingriff war umstritten – viele hätten lieber einen Neubau gesehen. Doch Döllgasts Haltung, die Wunde nicht zu übertünchen, beeindruckt mich bis heute. Es war weniger eine ästhetische Entscheidung als eine ethische Botschaft.
Vieles war nun gegeben Neu zu bauen waren nur die Küche und das Bad. Es sollte keine noch so schön gestaltetes Einbaumöbel sein, weder aus Holz noch aus blankem Stahl, sondern ein mit dem Bestand verwachsener Einbau. Deshalb mauerten wir die Küche, verputzten die 'Möbel' grob und brachten teils Betonabdeckungen ein, weil der Bruder des Bauherren solche produzierte. Sprachlich blieben wir zeitgenössisch, in der Haltung jedoch durchaus rückwärtsgewandt – was auch immer das heute bedeuten mag. Wir schränkten die Materialauswahl, soweit möglich, auf einen Umkreis von zehn Minuten ein: Kalk aus Netstal, massive Tanne und Lärche soweit möglich aus dem Tal, sowie unseren 'Wurststein', den sogenannten roten Risi, für Spül- und Waschbecken, Ofen und Arbeitsplatte. Heute bin ich mir sicher, wie sehr die Materialwahl zur Verortung, vor allem zur Resonanz beiträgt. Die Einbauten fasse ich gerne an – spröde Ränder, glatte Flächen. In 100 Jahren, so stelle ich mir vor, beim nächsten Umbau, wird man die Waschtische nicht zerschlagen, sondern wieder verwenden. So wie wir es mit dem Haus taten.
Leerräume Den oberen Leerraum im Hinterhaus liessen wir kalt. Die Decke darüber befreiten wir von den Holzbrettern, sodass Licht ungehindert aus dem Dach einfallen konnte. Eine lange Glasschiebefront zur Küche kontrastiert mit den groben Natursteinwänden. Sie wird so zum Teil des in neuem Licht getauchten Kaltraums. In eine zerfallene Nische setzten wir einen gefundenen Brunnen. Es werden hier eines Tages Pflanzen stehen und wie eine Orangerie wirken – ein innerer Garten. Ein Sommerraum – als saisonale Erweiterung.
Der untere Leerraum steht nur knapp über dem Grundwasser. Tatsächlich stiessen wir sogar auf gespanntes Grundwasser. Die aufsteigende, allgegenwärtige Feuchtigkeit entschieden wir nicht mit einer Betondecke und Sperrschicht abzuriegeln. Stattdessen liessen wir sie mit einem Kalkstampfboden durch das Haus entweichen. Die Innenwände stampften wir mit Hanfkalk, in der Hoffnung, sie würden ebenfalls zur Feuchteregulierung beitragen. Der Kalk wird die Schimmelbildung in den neu eingebrachten Schichten verhindern – soweit die Hoffnung, die sich noch bewahrheiten muss.

Aussen Die Entdeckung der gotischen Stuben machte offensichtlich, dass wir, um die bauzeitliche Erscheinung innen erlebbar zu halten, den gefundenen Strick zwingend aussen dämmen mussten. Ein Schindelschirm, wie wir ihn ähnlich beim 'Sternenbrunnen' in Ennenda fanden, umhüllt nun das Haus. Die Schindelung wirkt wie ein Gefieder und macht das Haus lebendig, nahezu 'wesenhaft'. Mit handwerklichen Feinheiten, behutsamen Freilegungen und der bewussten Materialbeschränkung schufen wir hoffentlich ein Haus, das auch für andere resonant wirkt. Für uns war es ein Unterfangen, an dem eins zum anderen führte, einschliesslich der unerwarteten Geschehnisse, die bei einem Umbau immer zu erwarten sind. Mit der Balance aus Kontrolle und Gelassenheit hoffen wir in der zweiten Reihe etwas Poesie geschaffen zu haben, die sich erst auf den zweiten Blick, dafür umso deutlicher zeigt.
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Direktauftrag, Bis Bauprojekt: Martina Maurer, Ausführung und Bauleitung: Birk Thomas, Ingenieur Runge AG, Bauphysik, Bauphysik BWA Winterthur, Bauarchäologin Ulrike Gollnick, Fotografien des fertigen Baus: Rasmus Norlander
Unternehmungen:
Abart A. GmbH, Mitlödi: Schreinerarbeiten, Küche, Türen
Aebli AG, Ennenda: Spenglerei und Sanitär
Ambühl+Vogelsang, Jona: Farbrestaurierungen
Bernegger Elektro AG, Ennenda: Elektriker
Boris Jurabek NaturGartenPflege, Ennenda: Gärtnerarbeiten
Daniel Ledergerber, Riedern: Steinmetzarbeiten
Gemma Trockenmauern GmbH, Glarus: Pflästerung und Mauer
Maler Malerich, Klosters: Malerarbeiten innen
Forroof Bedachungen, Haslen: Dach
Franz Luchsinger, Ennenda: Antikmöbelschreinerei
Gysi+Berglas, Baar: Firstverglasung
Hanfhandwerk GmbH Thomas Streule, Mels: Hanfkalkdämmung
Hansruedi Menzi, Ennenda: Leuchten
hus Architektur und Handwerk, Tuemgl: Fenstersanierung
J&A Kuster AG Steinbrüche, Freienbach: Verrucanobrünneli
Knobel AG, Schwanden: Chämi, Kachelofen, Küchenabdeckung
Massiv-Werk Remi Schlegel, Dürnten: Holzbau-Sanierung
Maurin Bisig, Haslen: Tadelakt
MEMA Metallbau GmbH Ennenda: Metallbauarbeiten
NIKI Holzschindel GmbH, Kiesen: Schindelfassade
PS Metall AG, Netstal: Schiebefenster
Rolf Laager AG, Schwanden: Gerüstbau, Verputzarbeiten
Schmid Fenster Manufaktur AG, Teufen: Holzfenster
Schuler Heizungen, Matt: Heizungsanlage
Silidur AG, Andelfingen: Betonfertigteile
Sandro Steger, Ennenda: Metallbauarbeiten
Stüssi Holzbau AG, Linthal: Holzbauarbeiten
T Neuweiler GmbH, Winterthur: Kalkstampfboden
Winteler AG, Mollis: Baumeisterarbeiten






















